Viele Sänger machen heute Tonaufnahmen zu Hause. Grammy-Award-Gewinner, Musikproduzent, Toningenieur und Aufnahmekünstler Prinz Charles Alexander vom Berkley college of music bietet Interessierten eine Gelegenheit, aus erster Hand die Technologien hinter vocal-Produktion zu erlernen.

Kostenloser Kurs zu Aufnahmeraum, Mikrofonen, Equalizer, Kompressoren, Hörumgebung, natürliche und künstliche Räume, Hall, Echo und mehr.

Ich mache den Kurs gerade selber und arbeite mich durch das archivierte Material, lohnt sich!

Vocal Recording Technology

Der italienische Jazzer Albert Hera, der sich selbst als „Klangerzähler“ bezeichnet, ist Spezialist für experimentelle Stimme und Chorimprovisation im Stil von Circlesinging. Ich mag dieses kleine Videosample sehr, das auf Facebook bereits über 10.000 Views erzielte (Juni 2015). Er zeigt in den wenigen Sekunden einen Stimmumfang von gigantischen 5 Oktaven von A1 (A1) bis gis“‘ (G#6), höher als der Spitzenton der Königin der Nacht von Mozart, mit Untertongesang, Obertongesang und Pfeifregister, dazu noch ein witziges musikalisches Arrangement.

Quelle: Facebook – Albert Hera

Simon Grant, der ehemalige Bass und Mundperkussionist der Swingle Singers, pfeift und singt höchst virtuos den Schlusssatz der 2. Orchestersuite in h-Moll (BWV 1067), Badinerie, von Johann Sebastian Bach. Ward Swingle, der Gründer, Leiter und Komponist des Ensembles, hatte eine berühmte Fassung von Bachs Badinerie für Chor a cappella geschrieben, die Grant hier quasi allein singt. Grant war auch sonst mit seiner Stimme äusserst kreativ. So war er einer der ersten, die in den 1980er Jahren Mundperkussion in die a cappella Musik einführten (als Beatboxing erst entstand).

Im März 2015 lud mich Tobias Hug, Grants Nachfolger bei den Swingle Singers, ein, einen Vortrag zur Innovation in der Chormusik zu halten. Bei der Gelegenheit sprachen wir auch über Varianten des Obertongesangs, den Tobias ebenfalls beherrscht. Dabei machte er mich auf diese fantastische Fertigkeit seines Sängerkollegen aufmerksam und schickte mir diese Aufnahme.

Ich werde oft gefragt, ob Obertongesang eine Art Pfeifen und Singen sei. Nein, Obertongesang ist kein Pfeifen, wie man am Klangunterschied der Aufnahmen hört. Pfeifen wird durch Luftverwirbelungen an den Lippen erzeugt, während Obertongesang Teiltöne der Stimme in Resonanz bringt. Aber Pfeifen nutzt vergleichbare Resonanzräume, um die Tonhöhe einzustellen.

 

Das skurrile Video Karmacoma der englischen Trip-Hop-Gruppe Massive Attack kam 1995 als Single in die UK Charts, zu einem Zeitpunkt, als zentralasiatischer Kehlgesang in Europa gerade populär wurde. Bei dem Obertongesang handelt es sich wahrscheinlich um ein Remix von tuvinischem Kehlgesang. (Dank an Bram Vanoverbeke für den Hinweis).

Dean Frenkel ist einer meiner Lieblingsobertonsänger. Seine klaren, blitzsauber gesungenen homophonen Obertöne bringen die spezielle Wirkung der Naturintervalle im Zusammenklang mit klassischen Instrumenten besonders eindrucksvoll zur Geltung. In „Iridium“ singt er die 5. Harmonische, die natürliche große Terz, zur kleine Terz im Instrumentalsatz, war mir in diesem Stück sehr gefällt.

In meinen Masterclasses (Jahresgruppen) Obertongesang bringe ich meinen Schülern bei, diese Reibung zu vermeiden und die 5. und 10. Harmonische im Mollkontext zu überspringen, oder durch polyphone Grundtonwechsel zu ersetzen. Denn fast alle, auch professionelle Obertonsänger improvisieren die Obertonreihe einfach unkontrolliert rauf und runter, ohne überhaupt zu erkennen, dass die große Naturterz in Konflik zu einer Mollbegleitung steht, was ich meist nicht leiden kann. Insbesondere, wenn der Grundton dann noch unsauber wird, was meist passiert.

Ob Dean Frenkel diesen Konflikt in der Komposition bewußt und kontrolliert singt, weiss ich nicht, ich vermute es aber. Denn dadurch, dass er seinen Grundton so blitzsauber singt, entfaltet sich die besondere Wirkung der 86-Cent-Reibung einer gleichstufigen Mollterz zur 14 Cent abgesenkten Naturdurterz (im Vergleich zur temperierten Durterz) für mich zu einem Genuß.

Der Film von Kameramann Murray Fredericks, Prodzent Michael Angus und Editorin Lindi Harrison gehört zum SALT Projekt, saltdoco.com, und zeigt im Zeitraffer den wundersamen Wandel des Lake Eyre in Australien, der nur selten gefüllt ist.

Die Musik stammt von Dean Frenkels früherer Gruppe Aajinta – Dean Frenkel, Jason Day, Michelle John.

dp.O.Ton Projekt aus Berlin, mit dem wunderbaren Daniel Pircher – Obertongesang, Stefanie John – Campanula, Marc Miethe – Didgeridoo.

www.facebook.com/dp.O.Tone

www.youtube.com/PircherDaniel

www.soundcloud.com/dp-o-tone

http://www.overtone.cc/profile/DanielPircher

 

„Hinwendung zum Licht“ war eine Zugabe in einem Konzert, dass Natascha Nikeprelevic 2008 auf dem Silent Art Festival sang. Die Komposition zeigt, wieviel Musik bereits in einem einzigen Ton steckt.

Royal Beat Crew mit der Kehlgesangsgruppe Khusugtun (Хөсөгтөн хамтлаг), beide aus der Ulaanbaatar Mongolei.

 

„Ihr Kinderlein, kommet“ im Satz für polyphonen Obertongesang in einer Neufassung mit Keyboard-Begleitung von Michael Reimann.
Als ich 1984 meine polyphonen Obertongesangsstil entwickelte war“Ihr Kinderlein, kommet“ eines der ersten Lieder, die ich mit wechselnden Grundtönen sang.

Ich singe hier eine einfach zu lernende Fassung mit nur drei Grundtönen, die Du am schnellsten durch Mitsingen lernst. Die Noten dazu kannst Du Dir hier kostenlos herunterladen:

Text:

1. Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all’!
Zur Krippe her kommet in Betlehems Stall
und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.

2. O seht in der Krippe, im nächtlichen Stall,
seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl,
den lieblichen Knaben, das himmlische Kind,
viel schöner und holder, als Engelein sind.

3. Da liegt es – das Kindlein – auf Heu und auf Stroh;
Maria und Josef betrachten es froh;
die redlichen Hirten knie’n betend davor,
hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

4. Manch Hirtenkind trägt wohl mit freudigem Sinn
Milch, Butter und Honig nach Betlehem hin;
ein Körblein voll Früchte, das purpurrot glänzt,
ein schneeweißes Lämmchen mit Blumen bekränzt.

5. O betet: Du liebes, Du göttliches Kind
was leidest Du alles für unsere Sünd’!
Ach hier in der Krippe schon Armut und Not,
am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod.

6. O beugt wie die Hirten anbetend die Knie,
erhebet die Hände und danket wie sie!
Stimmt freudig, ihr Kinder, wer wollt sich nicht freu’n,
stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein!

7. Was geben wir Kinder, was schenken wir Dir,
du Bestes und Liebstes der Kinder, dafür?
Nichts willst Du von Schätzen und Freuden der Welt –
ein Herz nur voll Unschuld allein Dir gefällt.

8. So nimm unsre Herzen zum Opfer denn hin;
wir geben sie gerne mit fröhlichem Sinn –
und mache sie heilig und selig wie Dein’s,
und mach sie auf ewig mit Deinem nur Eins.

Melodie:  Johann Abraham Peter Schulz 1794. Text: Christoph von Schmid 1798. Video: Falling snow by Matt SCC BY 3.0, Artikelbild: pixabay CC0.

Das erwartet man nicht, wenn Kehlsänger aus Tuwa auf dem Programm stehen. Jingle Bells, die Zweite. Amerikanische Weihnachten erobert selbst die abgelegenen Hochebenen des Altai. Hier das Alash Ensemble zusammen mit Bela & The Flecktones beim Chicago Bluegrass and Blues Music Festival 2012.

http://www.alashensemble.com/