Artikel aktualisiert am 23.02.2019

Wolfgang Saus singt Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ im Magnetresonanztomographen mit Obertongesang.

Dieses spektakuläre dynamische MRT-Video zeigt, wie sich die Zunge bei Obertongesang bewegt. Die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ entsteht durch Doppelresonanzen, die von der Zunge im Mund- und Rachenraum gebildet werden. Obertongesang basiert auf der Zusammenführung der zweiten und dritten Resonanzfrequenzen des Vokaltrakts auf eine einzige Frequenz, um die Lautstärke eines einzelnen Obertons aus dem Stimmklang zu erhöhen.

Die zweite Resonanzfrequenz wird vom Zungengrund zusammen mit dem Kehldeckel kontrolliert. Die dritte Resonanzfrequenz wird durch den Raum unter der Zunge reguliert, der größer ist als er im Video erscheint, weil er sich auch seitlich des Zungenbändchens ausbreitet, das im Bild den Raum verdeckt. Obertongesang erfordert eine ständige Feinabstimmung der beiden Resonanzkammern.

Es ist garnicht einfach, in dem sehr lauten Magnetresonanztomographen zu singen und dazu noch den Klang aufzuzeichnen. Der Lärmpegel ist so hoch, dass ich Gehörschutz tragen musste und meine eigenen Obertöne nicht hören konnte. Ich musste nach Gefühl singen. Das dabei die richtige Melodie herauskam, ist allein schon spektakulär. Zeigt es doch, dass es möglich ist, ein Körpergefühl für die exakte Tonhöhe der Resonanzen zu entwickeln, das auch ohne akustische Kontrolle duch das Gehör funktioniert.

Das Team in Freiburg hat hoch spezialisiertes Equipment für Aufnahme und Filterung entwickelt. Natürlich ist der Sound kein HiFi.

MRT Filmmaterial mit freundlicher Genehmigung und einem großem Dank an:
Universitätsklinikum Freiburg
Klinik für Radiologie – Medizinphysik & Institut für Musikermedizin
https://fim.mh-freiburg.de/
Prof. Dr. Bernhard Richter
Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig
Prof. Dr. Matthias Echternach
(c) 2015

7 Kommentare
  1. lebensmacht says:

    Eine super Aufnahme. Es ist so faszinierend. Wenn es so leicht wäre wie es aussieht… ich habe mich noch nicht daran gewagt es zu lernen, weil ich den Eindruck habe, es braucht Ewigkeiten, bis man es beherrscht… was ist Ihre Erfahrung?

    Antworten
    • Wolfgang Saus says:

      Hallo lebensmacht,
      es ist leichter als die meisten glauben. Die ersten Obertöne hört man schon nach 30 Minuten. Im Schnitt brauchen Nichtsänger wenige Stunden (ein Wochenendworkshop), um deutlich hörbare Obertöne zu produzieren. Wer danach täglich(!) nur 3-5 Minuten die Techniken trainiert, kann nach etwa 3 Monaten mit „Freude schöner Götterfunken“ beginnen. Natürlich variieren die Zeiten je nach Vorbildung. Profisänger können es manchmal schon nach 2 Stunden.

      Das fehlende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist überwiegend der Grund, wenn es länger dauert, und so gut wie nie fehlendes Können. Wer sprechen kann, kann auch Obertonsingen.

    • lebensmacht says:

      Hallo Herr Saus, danke für Ihre Antwort. Ich war sehr überrascht und gleichzeitig sehr erfreut, dass es doch vergleichsweise so schnell zu erlernen ist. Ich habe Geige studiert und habe nun auch beim Obertonsingen mit jahrelangem Training gerechnet. (-; Herzlichen Dank, dadurch habe ich nun Mut bekommen, es einmal auszuprobieren.

  2. Univ.-Prof. Peter Kiefer says:

    Das ist eine absolut fantastische Aufnahme! Vielen Dank an Wolfgang Saus und die Musikermedizin Freiburg. Letzt Woche noch habe ich meinen Studiernden versuch zu erklären, wie Formaten im Mund gebildet werden. Ds ist eine tolle Demonstration. Besten Dank!
    Univ.-Prof. Peter Kiefer, Klangkunstkunst, Uni Mainz

    Antworten
    • Wolfgang Saus says:

      Danke, es freut mich sehr, wenn meine Posts ihren Weg in die akademische Lehre finden. In den nächsten Wochen poste ich noch einiges zum Thema Formanten. Aus Sicht des Obertongesangs bekommen sie eine völlig neue Dimension.
      Lass uns mal dazu privat chatten.

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