Zungenbewegung beim Obertongesang – MRT-Aufnahme von „Freude schöner Götterfunken“

Artikel aktualisiert am 02.09.2016

„Freude schöner Götterfunken“, Obertongesang von Wolfgang Saus.

In diesem faszinierenden dynamischen MRT-Video sieht man, wie die Zunge mit Doppelresonanzen die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ bildet. Obertongesang basiert auf der Zusammenführung der zweiten und dritten Resonanzfrequenz des Mund-Rachen-Raums (auf „Formanten“ genannt) auf eine einzige Frequenz, um die Lautstärke eines einzelnen Obertons aus dem Stimmklang zu erhöhen. Der zweite Formant wird vom Zungengrund zusammen mit dem Kehldeckel kontrolliert. Der dritte Formant wird durch den Raum unter der Zunge reguliert, der größer ist als er im Video erscheint. Obertongesang ist die ständige Feinabstimmung der beiden Resonanzkammern.

Es ist nicht so einfach, in dem sehr lauten Tomographen Klang aufzunehmen (und zu singen). Das Team in Freiburg hat hoch spezialisiertes Equipment für Aufnahme und Filterung entwickelt. Trotzdem ist der Sound natürlich nicht HiFi.

MRT Filmmaterial mit freundlicher Genehmigung und großem Dank an:
Universitätsklinikum Freiburg
Klinik für Radiologie – Medizinphysik &
Institut für Musikermedizin
http://fim.mh-freiburg.de/
Prof. Dr. Bernhard Richter
Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig
Prof. Dr. Matthias Echternach
(c) 2015

7 Kommentare
  1. lebensmacht
    lebensmacht says:

    Eine super Aufnahme. Es ist so faszinierend. Wenn es so leicht wäre wie es aussieht… ich habe mich noch nicht daran gewagt es zu lernen, weil ich den Eindruck habe, es braucht Ewigkeiten, bis man es beherrscht… was ist Ihre Erfahrung?

    Antworten
    • Wolfgang Saus
      Wolfgang Saus says:

      Hallo lebensmacht,
      es ist leichter als die meisten glauben. Die ersten Obertöne hört man schon nach 30 Minuten. Im Schnitt brauchen Nichtsänger wenige Stunden (ein Wochenendworkshop), um deutlich hörbare Obertöne zu produzieren. Wer danach täglich(!) nur 3-5 Minuten die Techniken trainiert, kann nach etwa 3 Monaten mit „Freude schöner Götterfunken“ beginnen. Natürlich variieren die Zeiten je nach Vorbildung. Profisänger können es manchmal schon nach 2 Stunden.

      Das fehlende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist überwiegend der Grund, wenn es länger dauert, und so gut wie nie fehlendes Können. Wer sprechen kann, kann auch Obertonsingen.

    • lebensmacht
      lebensmacht says:

      Hallo Herr Saus, danke für Ihre Antwort. Ich war sehr überrascht und gleichzeitig sehr erfreut, dass es doch vergleichsweise so schnell zu erlernen ist. Ich habe Geige studiert und habe nun auch beim Obertonsingen mit jahrelangem Training gerechnet. (-; Herzlichen Dank, dadurch habe ich nun Mut bekommen, es einmal auszuprobieren.

  2. Univ.-Prof. Peter Kiefer
    Univ.-Prof. Peter Kiefer says:

    Das ist eine absolut fantastische Aufnahme! Vielen Dank an Wolfgang Saus und die Musikermedizin Freiburg. Letzt Woche noch habe ich meinen Studiernden versuch zu erklären, wie Formaten im Mund gebildet werden. Ds ist eine tolle Demonstration. Besten Dank!
    Univ.-Prof. Peter Kiefer, Klangkunstkunst, Uni Mainz

    Antworten
    • Wolfgang Saus
      Wolfgang Saus says:

      Danke, es freut mich sehr, wenn meine Posts ihren Weg in die akademische Lehre finden. In den nächsten Wochen poste ich noch einiges zum Thema Formanten. Aus Sicht des Obertongesangs bekommen sie eine völlig neue Dimension.
      Lass uns mal dazu privat chatten.

Dein Kommentar

Willst du zur Diskussion beitragen?
Deine Meinung interessiert mich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.