Schamanische Biphonation mit Tierlauten

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Artikel aktualisiert am 23.02.2016

Olga Podluzhnaya präsentiert ab 1:11 Biphonation, eine einzigartige zweistimmige Gesangstechnik. Eigentlich gehört Biphonation zu den Stimmstörungen. Man nimmt an, dass das rechte und linke Stimmband mit unterschiedlichen Frequenzen schwingen . Hier ist es aber kunstvolle Absicht und keineswegs pathologisch.

Ich hab eine Klanganalyse meiner Lieblingsstelle bei 1:30 bis 1:36 gemacht. Da sieht man ungewöhnliches: Die zwei gleichzeitig erzeugten Töne haben 324 Cent Abstand, zwischen großer und kleiner Terz. Dieses Intervall kommt in der Obertonreihe nicht vor. Es sind also wirklich zwei getrennte Töne. Aber sie haben viel zu viele Obertöne. Die zu erwartenden Obertöne sind als Schema über das Spektrogramm gelegt. Und die sind auch im Spektrum zu sehen. Nur sind dazwischen noch mehr Obertöne, die nicht von den beiden Grundtönen kommen können. Ich habe dafür keine Erklärung. Hat jemand eine Idee?

7 Kommentare
  1. Dominik Weiß says:

    Hallo Wolfgang,
    ich habe auch zuerst an Summations- und Differenztöne gedacht. Wäre es damit zu erklären wenn die entstehen könnten? In einem linearen System entstehen keine Summations- und Differenztöne. Summations- und Differenztöne entstehen in nichtlinearen Systemen ein übersteuerter Verstärker ist ein extrem nicht lineares System weshalb hier neue Frequenzen entstehen. Also deine Gedanken waren schon ganz ähnlich. Ich denke aber nicht das der Verstärker übersteuert war. Wenn man in der Elektrotechnik gezielt summen und Differenztöne erzeugen will nutzt man z.b. die nichtlinearen Eingenschaften einer Diode. Übertragen auf eine Gitarrenseite würde eine Diode praktisch bewirken dass sich die „Vor“Spannung der Gitarrenseite in Abhängigkeit der Amplitude kontinuierlich ändert. Also als wenn jemand die Gitarrenseite ständig verstimmt eben in Abhängigkeit der aktuellen Schwingungsamplitude.
    Nach kurzem googeln habe ich Hinweise gefunden das die Menschlichen Stimmbänder bei kleiner Ansteuerung als linear angesehen werden können aber bei stärkerer Aussteuerung nichtlinear sind. Ein Stimmband kann daher zum mischen von Tönen und damit zur Summations- und Differenztonerzeugung verwendet werden. Es muss dafür nur stark genug mit zwei Frequenzen angeregt werden. Wenn die beiden Stimmbänder mit unterschiedlichen Frequenzen Schwingungen regen sie sich gegenseitig an so das ich denke dass Summations- und Differenztöne direkt in den Stimmbändern entstehen.

    Viele Grüße
    Dominik

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  2. Mechtild Opel says:

    Sehr interessante Darbietung. Hat mich an die Inuit-Künstlerin Tanya Tagaq erinnert, die für ihre Adaptionen des traditionellen Inuit-Kehlgesangs letztes Jahr den Polaris-Preis erhielt. Ihr Album „Animism“ zum Beispiel, oder die „Nanook of the North“-Interpretation. Hörproben findet man auf Youtube.

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  3. David Stützel says:

    Hallo Wolfgang,
    hast du geschaut ob es kombinationstöen (summations-, differenz- tartini- töne, eventuel auch höherer ordnung) sind? es wäre eher unwarscheinlich wenn es solche nicht gäbe.. man kann sie ausrechnen.
    eine andere erfahrung ist, dass wenn ein klangerzeuger zwei töne erzeugt, die nicht so etwas wie obertöne sind, sehr einfach auch noch weitere entstehen…

    gruß, David

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    • Wolfgang Saus says:

      Danke für Deine Ideen. Normalerweise sollten Kombinationstöne keine Spektren erzeugen, soweit ich sie verstehen. Da sie durch Interferenz entstehen, erzeugen sie keine echten Schallwellen, sondern nur periodische Amplitudenschwankungen.

      Ich hatte daran gedacht, dass es Artefakte aus Übersteuerung sein könnten.

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