Stuart Hinds schrieb dieses Solostück für unseren gemeinsamen lieben Freund, Jan Šima, der im letzten Jahr unerwartet in jungen Jahren verstarb. Obwohl das Stück sehr emotional ist, ist es nicht als Ausdruck von Trauer gedacht. Es soll vielmehr Raum geben für Erinnerungen und Konteplation.

Jan war ein begeisterter und sehr guter polyphoner Obertonsänger. Er war Mitglied im Europa Obertonchor und im Obertonchor Spektrum, wo wir uns 2002 kennen lernten.

Kehlgesang aus Kalmückien beschränkt sich laut Sven Grawunder auf einen einzelnen begabten Sänger, Okna Tsahan Zam, der den tuwinischen Khöömej für den Epengesang der Kalmücken adaptiert hat. Aus dem Grunde eine besonders hörenswerte Musik des kleinen Turkvolkes am Kaspischen Meer.

Der vollständige Auftritt der Gruppe Violons Barbares mit dem mongolischen Sänger und Morin Khuur Spieler Dandarvaanchig Enkhjargal (Epi) beim Paléo Festival Nyon am 24.07.2015.

Carmina Slovenica – TOXIC PSALMS / Ultimate collective experience

Carmina Slovenica ist ein Ausnahme-Mädchenchor aus Slovenien, oder, wie sie selber ihre Performances nennen: Vokaltheater. Von gewaltiger choreographischer Kraft präsentieren die Jugendlichen hier eine unfassbare Breite an Gesangstechniken und Chortraditionen, die von estnischen antiken Zaubersprüchen in Vertonung von Veljo Tormis bis zu Obertongesang von Sarah Hopkins reichen. Toxic Psalms von Karmina Šilec wurde 2013 in Berlin uraufgeführt. Absolut mitreißend.

Neben der oben vorgestellten Performance TOXIC PSALMS singen und tanzen/spielen Carmina Slovenica extrem unterschiedliche Programme, darunter auch Obertongesang. Vermutlich ist das Ensemble vielen aber bekannt durch seine spektakuläre Aufführung von Karl Jenkins‘ Adiemus (ohne Obertongesang):

Viele Sänger machen heute Tonaufnahmen zu Hause. Grammy-Award-Gewinner, Musikproduzent, Toningenieur und Aufnahmekünstler Prinz Charles Alexander vom Berkley college of music bietet Interessierten eine Gelegenheit, aus erster Hand die Technologien hinter vocal-Produktion zu erlernen.

Kostenloser Kurs zu Aufnahmeraum, Mikrofonen, Equalizer, Kompressoren, Hörumgebung, natürliche und künstliche Räume, Hall, Echo und mehr.

Ich mache den Kurs gerade selber und arbeite mich durch das archivierte Material, lohnt sich!

Vocal Recording Technology

Der italienische Jazzer Albert Hera, der sich selbst als „Klangerzähler“ bezeichnet, ist Spezialist für experimentelle Stimme und Chorimprovisation im Stil von Circlesinging. Ich mag dieses kleine Videosample sehr, das auf Facebook bereits über 10.000 Views erzielte (Juni 2015). Er zeigt in den wenigen Sekunden einen Stimmumfang von gigantischen 5 Oktaven von A1 (A1) bis gis“‘ (G#6), höher als der Spitzenton der Königin der Nacht von Mozart, mit Untertongesang, Obertongesang und Pfeifregister, dazu noch ein witziges musikalisches Arrangement.

Quelle: Facebook – Albert Hera

Simon Grant, der ehemalige Bass und Mundperkussionist der Swingle Singers, pfeift und singt höchst virtuos den Schlusssatz der 2. Orchestersuite in h-Moll (BWV 1067), Badinerie, von Johann Sebastian Bach. Ward Swingle, der Gründer, Leiter und Komponist des Ensembles, hatte eine berühmte Fassung von Bachs Badinerie für Chor a cappella geschrieben, die Grant hier quasi allein singt. Grant war auch sonst mit seiner Stimme äusserst kreativ. So war er einer der ersten, die in den 1980er Jahren Mundperkussion in die a cappella Musik einführten (als Beatboxing erst entstand).

Im März 2015 lud mich Tobias Hug, Grants Nachfolger bei den Swingle Singers, ein, einen Vortrag zur Innovation in der Chormusik zu halten. Bei der Gelegenheit sprachen wir auch über Varianten des Obertongesangs, den Tobias ebenfalls beherrscht. Dabei machte er mich auf diese fantastische Fertigkeit seines Sängerkollegen aufmerksam und schickte mir diese Aufnahme.

Ich werde oft gefragt, ob Obertongesang eine Art Pfeifen und Singen sei. Nein, Obertongesang ist kein Pfeifen, wie man am Klangunterschied der Aufnahmen hört. Pfeifen wird durch Luftverwirbelungen an den Lippen erzeugt, während Obertongesang Teiltöne der Stimme in Resonanz bringt. Aber Pfeifen nutzt vergleichbare Resonanzräume, um die Tonhöhe einzustellen.

 

Das skurrile Video Karmacoma der englischen Trip-Hop-Gruppe Massive Attack kam 1995 als Single in die UK Charts, zu einem Zeitpunkt, als zentralasiatischer Kehlgesang in Europa gerade populär wurde. Bei dem Obertongesang handelt es sich wahrscheinlich um ein Remix von tuvinischem Kehlgesang. (Dank an Bram Vanoverbeke für den Hinweis).