Andrė Pabarčiūtė ist eine allround Performerin, die mit experimenteller Stimme neue meditative Wege geht und sie vielfältig mit Bühnenshows kombiniert. Obertongesang ist nur ein kleiner Bestandteil ihres umfangreichen künstlerischen Portfolios.

Die Musik zum Film „La Grande Bellezza“ (Die große Schönheit, 2013) von Paolo Sorrentino bedient sich u. a. der Obertongesang-Interpretation von Pérotins „Beata viscera“ des estnischen a cappella Ensembles Vox Clamantis. Beata viscera ist auf der CD Filia Sion enthalten.

Beata_viscera

Beata viscera ist ein Werk des französischen Komponisten Pérotin aus dem 12. Jh und gehört zur frühesten Mehrstimmigkeit in Europa.

Obertongesang verleiht der Komposition eine mystische Stimmung. Natürlich ist Obertongesang nicht Bestandteil der Originalkomposition von Perotin, sondern wurde von Vox Clamantis hinzugefügt. Mir gefällt diese Modifikation sehr, besonders deshalb, weil die Obertöne kontrolliert und musikalisch integriert werden. Sie bilden eine eigenständige Melodie und sind vermutlich nicht, wie weit verbreitet, Zufallsprodukte, sondern ganz gezielt gesungen. Obwohl manchmal die Dur-Terz der Obertonreihe mit der Moll-Terz der dorischen Melodie in Konflikt steht. Ich bringe meinen Masterclass-Studenten bei, diese Konflikte gezielt zu umgehen, es sei denn, sie wären ausdrücklich erwünscht.

Beata viscera hatte übrigens früher schon einmal das Hilliard Ensemble zu einer Neuinterpretation mit dem Saxophonisten Jan Garbarek angeregt (auf der CD Officium).

Bildnachweis: Beata Viscera von Perotin (Wolfenbüttel Digital Library) [Public domain], via Wikimedia Commons.

 

Das deutsche Duo Alien Voices, Kolja Simon und Felix Mönich, hat zusammen mit Steve Schroyder die tanzbare Oberton-CD „QiGong Dancing“ aufgenommen. Die CD benutze ich gern in meinen Kursen zum Auflockern mit Bewegung. Kolja beherrscht einen sehr autentischen Kargyraa und Khöömej Stil. Besonders gut gefallen mir die Obertonduette mit zwei gleichzeitgen Obertonmelodien. Soetwas hört man nur selten. Die CD ist bei Planetware Records erschienen und wird von Silenzio Music vertrieben.

 

Obertongesang, Khöömej, Kargyraa und Beatbox-Elemente mischt Michał Esz in seinem Album „One Mouth Orchestra“. Das Ergebis ist eine einzigartige One-Man-Show.

 

Michał Esz, ein junger Obertonmusiker aus Breslau (Wrocław) in Polen, macht kürzlich mit interessanten Oberton-Arrangements auf sich aufmerksam. Er kombiniert mehrere Obertontechniken – westlichem Obertongesang, Khöömej und Kargyraa – im Mehrspurverfahren und erzeugt so Chöre seiner eigenen Stimme. Ein neuer vielversprechender Stil der Obertonmusik. Mir gefällt das.

Improvisation mit westlichem Obertongesang und Jodeltechniken der estnischen Sängerin Triinu Taul live auf der Tallinn Music Week 2013.

Triinu Taul, estnische Sängerin und Multiinstrumentalistin, mit reiner Stimmimprovisation.

Die estnische Sängerin und Multiinstrumentalistin Triinu Taul experimentiert mit folk-fusion aus uralten Runenliedern (Regilaul), estnischem Volksliedgut, Improvisationen und extended vocal techniques, wie Jodeln und Obertongesang.

„Lauliku lapsepõli“, ein estnisches Volkslied aus Urvaste im estnischen Kreis Võru.
Triinu Taul & Trio
vocal- Triinu Taul
guitar- Peeter Rebane
bass- Henno Kelp
cajon, percussion- Roland Puusepp

The Life of the Buddha. Der Londoner Komponist Glenn Keiles komponierte 2002 die Filmmusik zu dieser 50-minütigen BBC-Dokumentation für den Aachener Obertonchor unter der Leitung von Wolfgang Saus. Mit einer kleinen Gruppe nahmen wir den Chorpart an einem einzigen Tag in St. Gereon in Giesenkirchen auf. Mit dabei waren: Britta Blisniewski, Ellen Kreft, Helga und Wolfhard Barke, Chris und Tim Ellis, Ralf Malzkorn (und ich natürlich).

Glenn brachte den Aufnahmeleiter und das komplette Equipment aus England mit um gleich am nächsten Tag nach Südafrika weiter zu fliegen. Er muss die vorab in London aufgenommenen Soli und Instrumentalparts bereits während des Fluges gemischt haben, denn schon am Abend war das Master fertig zu Hören.

Da wir vorab keinen Gesamteindruck des Stücks hatten und auch den Film nicht kannten, war es eine spannende Arbeit, die Phrasen entsprechend der sehr genauen Klangvorstellungen des Komponisten einzusingen. Die Obertöne waren zum Teil ausnotiert, zum Teil war Spielraum für Improvisation. Die Grundtöne waren stets genau notiert.

Die Reaktionen von Glenns Komponistenkollegen in London waren sehr interessant: sie wollten von ihm wissen, wie er einen so natürlich und lebendig klingenden Synthesizerklang programmiert hat. 2003 war Obertongesang im Chor noch praktisch unbekannt bei Komponisten.

International movie data base: http://www.imdb.com/title/tt1806108/