Artikel aktualisiert am 24.04.2018

Gestern (14.10.2014) schickte mir überraschend der Komponist den Link zu dem Video. „Der Bootssteg“ von Günther Beckers war 1986 meine allererste Produktion mit Obertongesang. Seit dem hatte ich nichts mehr davon gehört und, ehrlich gesagt, sogar vergessen, dass ich schon damals Musik mit Obertönen gemacht hatte.

Nachdem ich 1983 einmal mit Roberto Laneri gemeinsam auf der Bühne stand und zum ersten mal im Leben Obertongesang hörte, war mir klar, dass die Obertöne mein Leben veränderten. Ich brachte mir daraufhin das Obertonsingen autodidaktisch bei, ohne die blasseste Ahnung, wie es funktionierte. Es ist erstaunlich, wie aktuell diese immerhin 28 Jahre alte Aufnahme, damals eine völlige Innovation, heute noch klingt. Es ist schon seltsam, mich mit 24 zu hören.

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In der Aufnahme: Marie-Dagny Wennberg aus Schweden – Alt, Wolfgang Saus – Barton Obertongesang, Mitglieder des Collegium Byzantinum Aix la Chapelle, Studiomix von Miki Meuser, akustische Räume des Instituts für Hochfrequenztechnik der RWTH Aachen. Digitale Kunstkopfaufnahme (auch neu damals).

1986 war für mich ein Jahr aussergewöhnlicher Musikprojekte. Nach einer intensiven mit einem Profiensemble in einer Masterclass des schwedischen Ausnahme-Chorleiters und späterem Nachfolgers von Eric Ericsons, Anders Eby, war mir nochmal klarer geworden, dass das Geheimnis professionellen Chorklangs in den Obertönen liegt.

Ich hatte gerade einen Solovertrag am Stadttheater Aachen für die Uraufführung der Oper „Chimäre“ des Münchener Komponisten Hans-Jürgen von Bose am Aachener Stadttheater erhalten und studierte die schwierige Partitur inklusive mehrstimmiger Tonbandeinspielungen ein. Ich liebte damals Avantgarde und Experimentalmusik, und ich war ein guter Blattleser.

Anna - Ein Neuer Mensch, Günther Beckers 1984

Zeitgleich trat Günther Beckers, Maler und Komponist, mit seiner Komposition „Der Bootssteg – Hallkammer und schalltoter Raum“ an mich heran. Es war meine Partie für Obertongesang. Sie wurde anläßlich einer Ausstellung auf der Bienale in Venedig als Medienproduktion gespielt. 1984 hatte ich bereits mit Günther Beckers gearbeitet und „Anna – ein neuer Mensch“ (Video), eine Co-Produktion von Günther Beckers mit Miki Meuser, aufgeführt (noch ohne Obertongesang). Ich fand das Projekt deshalb so aufregend, weil es genau zu meiner Frage nach dem Klanggeheimnis der Chormusik passte.

Ich hatte damals noch keine Ahnung, ob man mit Obertönen überhaupt gezielt Musik machen kann. Meine Obertontechnik war noch unsicher. Lehrer gab es nicht, bzw. ich kannte ausser Laneri niemanden. 1986 hatte ich weder von Michael Vetter, noch von David Hykes gehört. Das war eine ziemliche Herausvorderung, da ich parallel bereits Chemie studierte und in 6 Chören sang. Jung und nicht zu bremsen, wenn es um Klang ging, Ausser „jung“ hat sich nicht viel geändert ;).

Ich freue mich, dass diese Rarität jetzt aufgetaucht ist.

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