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Deutschlandfunk Kultur sendet am Donnerstag, 28. Februar 2019 von 22h bis 22h30 ein Radio Feature über den Europa Obertonchor. Der EOC ist ein experimenteller Projektchor, der einmal im Jahr von Ostermontag für eine Woche interessierte Sängerinnen und Sänger einlädt, mit dem Potenzial und neuen Klangmöglichkeiten von Obertönen in der Chormusik zu experimentieren. Es werden sowohl Werke nach Noten gesungen, als auch nach neuen Methoden Improvisationen entwickelt.

DLF Kultur, D0., 28.02.2019, 22:00 Uhr

⇒Europa Obertonchor, nächste Projektwoche 22.-28. April 2019

Eine Komposition von Aaron Jensen, Kanada 2012, für gemischten Chor a cappella und Obertonsolist.

Besetzung: SSAATTB + Obertonsolist 6’00″

Text von Uvavnuk – Übersetzung: Jane Hirshfield

Beauftragt von The Toronto Arts Council

Uraufführung: 12.05.2013 — The Elmer Iseler Singers, Leitung Lydia Adams

Gast Obertonsänger – Scott Peterson

Mehr zur Komposition auf der Website von Aaron Jensen.

Einer der besten Chöre Deutschlands für zeitgenössische Musik in Zusammenarbeit mit einer der besten Obertonsängerinnen. Die Leser dieser Seite werden vor allem drei Stücke interessieren, die extra für die neue CD „Kammerchor I Vocalisti & Anna-Maria Hefele: Cantate Domino Canticum Novum“ vom Kammerchor I Vocalisti und ihrem Leiter Hans-Hoachim Lustig bei drei nahmhaften Komponisten in Auftrag gegeben wurden:

  • Cantate Domino (2015) von Uģis Prauliņš (Track 1)
  • Cantate Domino (2016) von Hans Schanderl (Track 8)
  • Cantate Domino (2015) von Michael Ostrzyg (Track 11)

Diese drei Werke sind speziell für die Solostimme Hefeles geschrieben. Drei sehr unterschiedliche Stücke, die eines gemeinsam haben: Solo Obertongesang. Auch das weitere Programm ist eine wundervolle Zusammenstellung neuer Musik, auch höchstem Chorniveau gesungen. Diese fantastische CD ist durch und durch ein Genuss und begeistert mich total – sehr empfehlenswert!

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Cantate Domino Canticum Novum (2016)
Anna-Maria Hefele, I Vocalisti, Hans-Hoachim Lustig
Die CD erschien am 28.10.2016 bei Rondeau.
Gesamtspielzeit 73:09
1. Ugis Praulins: Cantate Domino
2. Vic Nees: Singet dem Herrn
3. Thomas Hofmann: …Singet…
4.-6. Hugo Distler: Singet dem Herrn ein neues Lied
7. Josu Elberdin: Cantate Domino
8. Hans Schanderl: Cantate Domino
9. Aleksandar S. Vujic: Singet dem Herrn ein neues Lied
10. Vytautas Miskinis: Cantate Domino
11. Michael Ostrzyga: Canticum novum (…ab extremis terrae)
12. Alwin Michael Schonen: Cantate Domino

Die lettische a cappella Gruppe Cosmos (2002 – 2009, 2015…) zeichnet sich durch aussergewöhnliche Klänge in eigenen Arrangements aus, was auch Obertongesang einschließt, wie hier in „Sunrise“ (Saullēkts). Darüber hinaus sind auch ihre Performances bemerkenswert. Mehr auf ihrem YouTube-Kanal.

Carmina Slovenica – TOXIC PSALMS / Ultimate collective experience

Carmina Slovenica ist ein Ausnahme-Mädchenchor aus Slovenien, oder, wie sie selber ihre Performances nennen: Vokaltheater. Von gewaltiger choreographischer Kraft präsentieren die Jugendlichen hier eine unfassbare Breite an Gesangstechniken und Chortraditionen, die von estnischen antiken Zaubersprüchen in Vertonung von Veljo Tormis bis zu Obertongesang von Sarah Hopkins reichen. Toxic Psalms von Karmina Šilec wurde 2013 in Berlin uraufgeführt. Absolut mitreißend.

Neben der oben vorgestellten Performance TOXIC PSALMS singen und tanzen/spielen Carmina Slovenica extrem unterschiedliche Programme, darunter auch Obertongesang. Vermutlich ist das Ensemble vielen aber bekannt durch seine spektakuläre Aufführung von Karl Jenkins‘ Adiemus (ohne Obertongesang):

Das amerikanische a cappella Ensemble Roomful of Teeth singt IV. Passacaglia aus der mit dem Pulitzerpreis für Musik ausgezeichneten Komposition Partita for 8 Voices (2009-2012) von Caroline Shaw.

→Mehr zur Komposition

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe weitgehend unbekannter Werke für professionelle klassische Gesangsensembles und Chöre. Seht mal auf die Seite „Werke„. In der Tabelle kann man nach Gesamtbesetzung und nach der Oberton-Besetzung sortieren.

Im Oktober 2014 schickte mir überraschend der Komponist den Link zu dem Video. „Der Bootssteg“ von Günther Beckers war 1986 meine allererste Produktion mit Obertongesang. Seit dem hatte ich nichts mehr davon gehört und, ehrlich gesagt, sogar vergessen, dass ich schon damals Musik mit Obertönen gemacht hatte.

1983 stand ich mit Roberto Laneri auf der Bühne bei dem Projekt „Nada Brahma – Die Welt ist Klang“ von Joachim Ernst Berendt. Zum ersten mal im Leben hörte ich Obertongesang und war so berührt, dass mir sofort klar war, dass die Obertöne mein Leben verändern würden. Ich brachte mir daraufhin das Obertonsingen mit vielen Experimenten autodidaktisch bei, ohne die blasseste Ahnung, wie es funktionierte, nur aus der Erinnerung an den Klang, ohne die Möglichkeit, Aufnahmen zu hören. Und Roberto Laneris Telefonnummer konnte ich nicht herausfinden. Es ist erstaunlich, wie aktuell das Werk heute klingt, damals eine experimentelle Innovation.

»Mehr zur Komposition

In der Aufnahme: Marie-Dagny Wennberg aus Schweden – Alt, Wolfgang Saus – Barton Obertongesang, Mitglieder des Collegium Byzantinum Aix la Chapelle, Studiomix von Miki Meuser, akustische Räume des Instituts für Hochfrequenztechnik der RWTH Aachen. Digitale Kunstkopfaufnahme (auch neu damals).

1986 war für mich ein Jahr aussergewöhnlicher Musikprojekte. Nach einer intensiven mit einem Profiensemble in einer Masterclass des schwedischen Ausnahme-Chorleiters und späterem Nachfolgers von Eric Ericsons, Anders Eby, war mir nochmal klarer geworden, dass das Geheimnis professionellen Chorklangs in den Obertönen liegt.

Ich hatte gerade einen Solovertrag am Stadttheater Aachen für die Uraufführung der Oper „Chimäre“ des Münchener Komponisten Hans-Jürgen von Bose am Aachener Stadttheater erhalten und studierte die schwierige Partitur inklusive mehrstimmiger Tonbandeinspielungen ein. Ich liebte damals Avantgarde und Experimentalmusik und konnte gut vom Blatt lesen, sodass ich neue Musik mit viel Freude einstudierte.

Zeitgleich trat Günther Beckers, Maler und Komponist, mit seiner Komposition „Der Bootssteg – Hallkammer und schalltoter Raum“ an mich heran. Es war meine Partie für Obertongesang. Sie wurde anläßlich einer Ausstellung auf der Bienale in Venedig als Medienproduktion gespielt. 1984 hatte ich bereits mit Günther Beckers gearbeitet und „Anna – ein neuer Mensch“ (Video), eine Co-Produktion von Günther Beckers mit Miki Meuser, aufgeführt (noch ohne Obertongesang). Ich fand das Projekt deshalb so aufregend, weil es genau zu meiner Frage nach dem Klanggeheimnis der Chormusik passte.

Ich hatte damals noch keine Ahnung, ob man mit Obertönen überhaupt gezielt Musik machen kann. Meine Obertontechnik war noch unsicher. Lehrer gab es nicht, bzw. ich kannte ausser Laneri niemanden. 1986 hatte ich noch nicht von Michael Vetter oder David Hykes gehört. Das war eine Herausvorderung, da ich gleichzeitig Chemie studierte und noch in sechs Chören sang und jeden Tag Proben hatte. Jung und nicht zu bremsen, wenn es um Klang ging. Ausser „jung“ hat sich daran nicht viel geändert ;).

Ich freue mich, dass diese Rarität jetzt aufgetaucht ist.

 

Die münchener A-cappella-Gruppe Mundwerk singt Frère Jaques nicht nur mit Stimmen im Kanon, sondern auch mit Obertönen. Mein Schüler und Jahresgruppenabsolvent Oliver Zunker (inzwischen nicht mehr bei Mundwerk) singt zusammen mit seinem Kollegen Jens Ickert den Kanon ausschließlich mit Obertönen. Oliver ist selber ein ausgezeichneter Obertonlehrer, wie man hört. Ich finde das ganze Chorarrangement super!

Alle Töne der Melodie sind bereits in einem einzigen Grundton enthalten (in den Harmonischen 6 bis 13, vgl. Komponieren mit Obertönen). Man kann sie also auf einem Ton singen.

Hier gibt es die Noten kostenlos →

 

Quellen & Links

https://www.facebook.com/oliver.zunker?fref=ts

http://www.mundwerk.biz/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A8re_Jacques

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