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Erforschung des vokalen Obertongesangs in “Singing in Tune with Nature”

Das neue Chorwerk “Singing in Tune with Nature” der australischen Komponistin Amanda Cole demonstriert wieder einmal, wie vielfältig die kreativen Möglichkeiten des vokalen Obertongesangs in der Chormusik sind. Dieses innovative SATB-Chorwerk war Finalist bei den APRA AMCOS Art Music Awards 2021 in der Kategorie Chor.

“Singing in Tune with Nature” wurde für das N.E.O. Voice Festival 2020 komponiert, das abenteuerliche Vokalmusik zelebriert. Das Festival wurde gegründet, um das weitreichende Potenzial der menschlichen Stimme zu erforschen und neue Werke vorzustellen, die von der neuesten Vokalforschung inspiriert sind.

In diesem Stück verwendet Cole die mikrotonale Reinintonation anstelle der zwölftönigen gleichschwebenden Stimmung des Klaviers. Dadruch wird ermöglicht, dass jedes gesungene Intervall direkt aus der natürlichen harmonischen Obertonreihe abgeleitet wird, die in jeder Stimme vorhanden ist. Der Effekt erzeugt schimmernde Wolken schimmernder Obertöne, ähnlich wie beim Obertongesang, nur zarter, versteckter, und – wie der Hörtest von Wolfgang Saus erfahrbar macht – für jeden Menschen ein wenig anders.

Laut Programmheft ist dieser Ansatz als Metapher für die Wertschätzung und Konzentration auf die Wunder der natürlichen Welt gedacht. Die mikrotonale Stimmung erfordert ein tiefes Zuhören zwischen den Sängern, die zu einem einheitlichen Chor verschmelzen.

Neben ihrer Chorarbeit ist Amanda Cole auch als Komponistin experimenteller elektronischer und instrumentaler Musik bekannt. Sie schreibt Software für interaktive Aufführungen und arbeitet dabei oft mit anderen Künstlern zusammen. Cole hat einen Doktortitel in Komposition vom Sydney Conservatorium of Music, wo sie derzeit unterrichtet.

Ihre Nominierung für den APRA AMCOS Award ist eine Anerkennung für Coles abenteuerlustige musikalische Sprache. “Singing in Tune with Nature” (Singen im Einklang mit der Natur) erweitert unsere Vorstellung von chorischen Möglichkeiten, indem es die verborgenen Obertonfarben der Stimme berücksichtigt. Indem sie neue Stimmsysteme und erweiterte Techniken erforscht, verbindet sich Coles Musik mit universellen Elementen der Natur und des menschlichen Geistes.

Labia Mea für 8 Stimmen a cappella (2016) – Vahram Sarkissian


Labia Mea (2016)

Vahram Sarkissian

8 gemischte Stimmen a cappella

Uraufführung: 2016, Vahram Sarkissian (alle Stimmen), online


In einem bahnbrechenden künstlerischen Unterfangen führt der armenisch-kanadische Komponist und Stimmkünstler Vahram Sarkissian „Labia Mea“ auf, seine fesselnde Komposition für 8 gemischte Stimmen a cappella, die die Grenzen der stimmlichen Möglichkeiten in unglaubliche Höhen treibt. Dieses experimentelle Werk ist das Ergebnis von drei Jahren unermüdlicher Erforschung und akribischer Experimente mit erweiterten Gesangstechniken.

„Labia Mea“ ist eine für mich unfassbare Leistung, da Vahram Sarkissian tatsächlich alle acht Gesangsstimmen, ursprünglich 8-stimmiges gemischten Ensemble geschrieben, im Alleingang eingespielt hat. Der Tonumfang der Komposition ist nichts weniger als spektakulär: Er erstreckt sich über sieben Oktaven, ca. H1 (B0) bis d5 (D8), und umfasst eine atemberaubende Klangpalette. Ein so großer Tonumfang hüllt den Zuhörer in einen Klangteppich, der kaum noch irdischen Stimmen zugeordnet werden kann.

Das Werk wagt sich auf unbekanntes Terrain und verwendet eine Fülle unkonventioneller Techniken, die sich über traditionelle Normen hinwegsetzen. Von eindringlichen Melodien des Kehlkopfgesangs bis hin zu hypnotischen Harmonien des Obertongesangs, von rhythmischen Verwicklungen der Vokalpercussion bis hin zu extremen Registern – „Labia Mea“ überschreitet die Grenzen dessen, was die menschliche Stimme leisten kann.

Inspiriert von Psalm 50 („Domine labia mea aperies“), begibt sich die Komposition auf eine Reise des Selbstausdrucks. Im Laufe des Stücks entwickelt sich ein Prozess der Textakkumulation, der allmählich einen Weg von ätherischen Klängen zu zusammengesetzten Phonemen, dann zu Wörtern und schließlich zum vollständigen Text durchläuft.

„Labia Mea“ wird zu einer tiefgründigen Manifestation des inneren Kampfes um Selbstausdruck. Jede Facette der menschlichen Erfahrung findet in der Komposition ihre Stimme, wobei intellektuelle Wahrnehmung, emotionale Tiefe und spirituelle Erkenntnis um Aufmerksamkeit wetteifern. Während Vahram Sarkissian diese Elemente miteinander verwebt, entfaltet sich eine Symphonie der Selbstentdeckung, die mit der eigenen Suche des Hörers nach Authentizität resoniert.

In einer Zeit, in der Musik oft vertrauten Mustern folgt, fordert Vahram Sarkissian Konventionen heraus und wagt es, das Mögliche neu zu definieren. Lasst euch von den Wundern von „Labia Mea“ in den Bann ziehen und werdet Zeuge der transformativen Kraft einer einzelnen Stimme, die die Grenzen der künstlerischen Innovation verschiebt.

 

Einen großen Dank an Olaf Katzer, den Leiter von AuditivVokal Dresden, der mich auf diese Komposition aufmerksam machte. AuditivVokal hat in den letzten Monaten intensiv mit mir zusammengearbeitet, um ein professionelles Niveau im Obertongesang zu erreichen. Dies ermöglicht dem Ensemble, Werke mit anspruchsvollen erweiterten Gesangstechniken zu meistern und zusätzliche Kompositionsaufträge anzunehmen.

Wenn du Interesse an effizientem professionellem Obertongesangstraining für deinen Chor oder dein Profiensemble hast, kannst du gerne ein unverbindliches Gespräch vereinbaren, telefonisch oder per Terminplaner. Ich habe mich seit 40 Jahren auf die Arbeit mit Sängern spezialisiert und stehe dir zur Verfügung.
Zur Terminvereinbarung (schreib in die Bemerkungen, dass es sich um ein kostenloses Gespräch handelt).

Was für ein Sound! – Junges Ensemble Dreden, Olaf Katzer, Jan Heinke

Solche Klänge ziehen mich in den Bann. Wer mich kennt, weiss wie sehr mich zeitgenössische Chormusik berührt. Und als Obertonsänger versuche ich seit fast vier Jahrzehnten, das Obertonbewußtsein in Chöre zu bringen. Umso glücklicher bin ich, wenn Komponisten, die etwas von Obertongesang verstehen, Chormusik schreiben.

Jan Heinke ist ein absoluter Ausnahmemusiker. Wir sind jetzt schon viele Jahre befreundet, und Jan beeindruckt mich immer wieder mit seiner tief reflektierten Weltsicht. Seine Musik ist weltweit einzigartig, sein Spiel auf dem von ihm gebauten Stahlchello, sein ultratiefer Bass und die Virtuosität seines Obertongesangs. Das Junge Ensemble Dresden unter Leitung von Olaf Katzer gehört zu den Spitzenkammerchören in Deutschland und ist einer der erlesenen, die sich der zeitgenössischen ernsten Musik auf höchstem Niveau widmen.

Die CD findet ihr hier: https://jungesensembledresden.de/cd

CD „Licht über Licht“
Interpret: Junges Ensemble Dresden
Künstlerische Leitung: Olaf Katzer
Solist Obertongesang: Jan Heinke
Gesamtspieldauer: 61:30

Jan Heinke: http://www.janheinke.de/, http://www.stahlquartett.de/

Ein teurer Schlußakkord

How Things Fall. Er habe nur wenig Zeit gehabt, sein Stück für Nordic Voices zu arrangieren, sagt Koka Nikoladze, der 1989 in Georgien zur Welt kam, jetzt in Norwegen lebt, komponiert und Instrumente erfindet. Wie Dinge fallen und sich dann spektral versprühen, „How Things Fall“, 2021, aufgeführt vom norwegischen Profiensemble Nordic Voices, das dafür bekannt ist, brilliant mit Obertongesang umzugehen (ab 1:44). Nikoladze enhält uns den Schlussakkord vor. Er versteigerte den Schlussakkord auf ebay und erzielte $13.900. Ich liebe die nordische Selbsironie, genau das Richtige für Lockdownzeiten.

Sōmei Satō – MANDARA, Music for Tape (1982)

Sōmei Satō erzeugt mit seiner eigenen Stimme einen Obertonchor im Mehrspurverfahren und setzt Vokalobertongesang als Effekt ein. Ähnliches kenne ich von Roberto Laneri’s „Two views of the Amazon“ von 1981 gehört. Anfang der 1980er Jahre hat das wahrscheinlich für die meisten Hörer eher nach elektronischer Musik geklungen, denn Obertongesang war damals im Okzident noch so gut wie unbekannt.

Uraufführung 1982. Tokyo.
Im Auftrag von Japan Foundation
RD:ALM/AL-26, NEW ALBION/NA-099, NA-016

European Overtone Choir

28.02.19 – 22h – DLF Kultur Radiosendung über den Europa Obertonchor

Deutschlandfunk Kultur sendet am Donnerstag, 28. Februar 2019 von 22h bis 22h30 ein Radio Feature über den Europa Obertonchor. Der EOC ist ein experimenteller Projektchor, der einmal im Jahr von Ostermontag für eine Woche interessierte Sängerinnen und Sänger einlädt, mit dem Potenzial und neuen Klangmöglichkeiten von Obertönen in der Chormusik zu experimentieren. Es werden sowohl Werke nach Noten gesungen, als auch nach neuen Methoden Improvisationen entwickelt.

DLF Kultur, D0., 28.02.2019, 22:00 Uhr

⇒Europa Obertonchor, nächste Projektwoche 22.-28. April 2019

michal-esz-abstract

Abstract – Kehlchor aus Polen | Michał Esz

Spärisches Obertonchor-Arrangement des polnischen Obertonkünstlers Michał Esz Szerląg mit Oberton- und Untertongesang.

Obertöne im Kanon | Mundwerk

Die münchener A-cappella-Gruppe Mundwerk singt Frère Jaques nicht nur mit Stimmen im Kanon, sondern auch mit Obertönen. Mein Schüler und Jahresgruppenabsolvent Oliver Zunker (inzwischen nicht mehr bei Mundwerk) singt zusammen mit seinem Kollegen Jens Ickert den Kanon ausschließlich mit Obertönen. Oliver ist selber ein ausgezeichneter Obertonlehrer, wie man hört. Ich finde das ganze Chorarrangement super!

Alle Töne der Melodie sind bereits in einem einzigen Grundton enthalten (in den Harmonischen 6 bis 13, vgl. Komponieren mit Obertönen). Man kann sie also auf einem Ton singen.

Hier gibt es die Noten kostenlos →

 

Quellen & Links

https://www.facebook.com/oliver.zunker?fref=ts

http://www.mundwerk.biz/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A8re_Jacques

Die große Schönheit – mit Obertönen zum Oscar | Vox Clamantis

Die Musik zum Film „La Grande Bellezza“ (Die große Schönheit, 2013) von Paolo Sorrentino bedient sich u. a. der Obertongesang-Interpretation von Pérotins „Beata viscera“ des estnischen a cappella Ensembles Vox Clamantis. Beata viscera ist auf der CD Filia Sion enthalten.

Beata_viscera

Beata viscera ist ein Werk des französischen Komponisten Pérotin aus dem 12. Jh und gehört zur frühesten Mehrstimmigkeit in Europa.

Obertongesang verleiht der Komposition eine mystische Stimmung. Natürlich ist Obertongesang nicht Bestandteil der Originalkomposition von Perotin, sondern wurde von Vox Clamantis hinzugefügt. Mir gefällt diese Modifikation sehr, besonders deshalb, weil die Obertöne kontrolliert und musikalisch integriert werden. Sie bilden eine eigenständige Melodie und sind vermutlich nicht, wie weit verbreitet, Zufallsprodukte, sondern ganz gezielt gesungen. Obwohl manchmal die Dur-Terz der Obertonreihe mit der Moll-Terz der dorischen Melodie in Konflikt steht. Ich bringe meinen Masterclass-Studenten bei, diese Konflikte gezielt zu umgehen, es sei denn, sie wären ausdrücklich erwünscht.

Beata viscera hatte übrigens früher schon einmal das Hilliard Ensemble zu einer Neuinterpretation mit dem Saxophonisten Jan Garbarek angeregt (auf der CD Officium).

Bildnachweis: Beata Viscera von Perotin (Wolfenbüttel Digital Library) [Public domain], via Wikimedia Commons.

 

Aachener Obertonchor in „The Life Of The Buddha“ (BBC-Doku)

The Life of the Buddha. Der Londoner Komponist Glenn Keiles komponierte 2002 die Filmmusik zu dieser 50-minütigen BBC-Dokumentation für den Aachener Obertonchor unter der Leitung von Wolfgang Saus. Mit einer kleinen Gruppe nahmen wir den Chorpart an einem einzigen Tag in St. Gereon in Giesenkirchen auf. Mit dabei waren: Britta Blisniewski, Ellen Kreft, Helga und Wolfhard Barke, Chris und Tim Ellis, Ralf Malzkorn (und ich natürlich).

Glenn brachte den Aufnahmeleiter und das komplette Equipment aus England mit um gleich am nächsten Tag nach Südafrika weiter zu fliegen. Er muss die vorab in London aufgenommenen Soli und Instrumentalparts bereits während des Fluges gemischt haben, denn schon am Abend war das Master fertig zu Hören.

Da wir vorab keinen Gesamteindruck des Stücks hatten und auch den Film nicht kannten, war es eine spannende Arbeit, die Phrasen entsprechend der sehr genauen Klangvorstellungen des Komponisten einzusingen. Die Obertöne waren zum Teil ausnotiert, zum Teil war Spielraum für Improvisation. Die Grundtöne waren stets genau notiert.

Die Reaktionen von Glenns Komponistenkollegen in London waren sehr interessant: sie wollten von ihm wissen, wie er einen so natürlich und lebendig klingenden Synthesizerklang programmiert hat. 2003 war Obertongesang im Chor noch praktisch unbekannt bei Komponisten.

International movie data base: http://www.imdb.com/title/tt1806108/

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Plakat für Chorsymphonsische Konzert in Dresen am 23./24.032024

Chorsymphonisches Konzert – Was wir nicht wissen

Eingerahmt von zwei bekannten geistlichen Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Giacomo Puccini wird bei dem diesjährigen Hochschulchorkonzert die Uraufführung „Was wir nicht wissen“ des schon vielfach ausgezeichneten Kompositionsstudenten Julius von Lorentz (Klasse: Stefan Prins, Manos Tsangaris) erklingen. Dabei wird neben zahlreichen Solisten der Gesangsklassen der renommierte Obertonsolist und Klangforscher Wolfgang Saus zu erleben sein; die Sinfonietta Dresden hat dankenswerterweise für dieses Jahr den orchestralen teil übernommen. „Was wir nicht wissen“ wird eine spannende Entdeckungsreise in alte und neue Klangwelten und lässt den Konzertsaal in ganz neuen Sphären resonieren.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Wer nur den lieben Gott lässt walten
Julius von Lorentz: Was wir nicht wissen (Uraufführung)
Giacomo Puccini: Messa a quattro voci (Messa di Gloria)

Sopran: Marlene Walter, Sarah Keller (Mendelssohn)
Tenor: Jongwoo Hong, Kota Katsuyama (Puccini)
Bariton: Willy Wagner (Puccini)
Bass: Jonathan Koch, Ilya Silchuk (Puccini)

Obertonsolist: Wolfgang Saus (von Lorentz)

Oberton-Solistenquintett (von Lorentz)
Sopran: Marlene Walter
Alt: Oliver Chubb, Philipp Rau
Tenor: Felix Cantzler, Kyle Fearon-Wilson
Bass: Nikolai Füchte

Hochschulchor
Sinfonietta Dresden

Leitung: Olaf Katzer (23.03.24), Konrad Schöbel (24.03.24)

Plakat für Chorsymphonsische Konzert in Dresen am 23./24.032024

Chorsymphonisches Konzert – Was wir nicht wissen

Eingerahmt von zwei bekannten geistlichen Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Giacomo Puccini wird bei dem diesjährigen Hochschulchorkonzert die Uraufführung „Was wir nicht wissen“ des schon vielfach ausgezeichneten Kompositionsstudenten Julius von Lorentz (Klasse: Stefan Prins, Manos Tsangaris) erklingen. Dabei wird neben zahlreichen Solisten der Gesangsklassen der renommierte Obertonsolist und Klangforscher Wolfgang Saus zu erleben sein; die Sinfonietta Dresden hat dankenswerterweise für dieses Jahr den orchestralen teil übernommen. „Was wir nicht wissen“ wird eine spannende Entdeckungsreise in alte und neue Klangwelten und lässt den Konzertsaal in ganz neuen Sphären resonieren.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Wer nur den lieben Gott lässt walten
Julius von Lorentz: Was wir nicht wissen (Uraufführung)
Giacomo Puccini: Messa a quattro voci (Messa di Gloria)

Sopran: Marlene Walter, Sarah Keller (Mendelssohn)
Tenor: Jongwoo Hong, Kota Katsuyama (Puccini)
Bariton: Willy Wagner (Puccini)
Bass: Jonathan Koch, Ilya Silchuk (Puccini)

Obertonsolist: Wolfgang Saus (von Lorentz)

Oberton-Solistenquintett (von Lorentz)
Sopran: Marlene Walter
Alt: Oliver Chubb, Philipp Rau
Tenor: Felix Cantzler, Kyle Fearon-Wilson
Bass: Nikolai Füchte

Hochschulchor
Sinfonietta Dresden

Leitung: Olaf Katzer (23.03.24), Konrad Schöbel (24.03.24)