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Sōmei Satō erzeugt mit seiner eigenen Stimme einen Obertonchor im Mehrspurverfahren und setzt Vokalobertongesang als Effekt ein. Ähnliches kenne ich von Roberto Laneri’s „Two views of the Amazon“ von 1981 gehört. Anfang der 1980er Jahre hat das wahrscheinlich für die meisten Hörer eher nach elektronischer Musik geklungen, denn Obertongesang war damals im Okzident noch so gut wie unbekannt.

Uraufführung 1982. Tokyo.
Im Auftrag von Japan Foundation
RD:ALM/AL-26, NEW ALBION/NA-099, NA-016

Deutschlandfunk Kultur sendet am Donnerstag, 28. Februar 2019 von 22h bis 22h30 ein Radio Feature über den Europa Obertonchor. Der EOC ist ein experimenteller Projektchor, der einmal im Jahr von Ostermontag für eine Woche interessierte Sängerinnen und Sänger einlädt, mit dem Potenzial und neuen Klangmöglichkeiten von Obertönen in der Chormusik zu experimentieren. Es werden sowohl Werke nach Noten gesungen, als auch nach neuen Methoden Improvisationen entwickelt.

DLF Kultur, D0., 28.02.2019, 22:00 Uhr

⇒Europa Obertonchor, nächste Projektwoche 22.-28. April 2019

Spärisches Obertonchor-Arrangement des polnischen Obertonkünstlers Michał Esz Szerląg mit Oberton- und Untertongesang.

Die münchener A-cappella-Gruppe Mundwerk singt Frère Jaques nicht nur mit Stimmen im Kanon, sondern auch mit Obertönen. Mein Schüler und Jahresgruppenabsolvent Oliver Zunker (inzwischen nicht mehr bei Mundwerk) singt zusammen mit seinem Kollegen Jens Ickert den Kanon ausschließlich mit Obertönen. Oliver ist selber ein ausgezeichneter Obertonlehrer, wie man hört. Ich finde das ganze Chorarrangement super!

Alle Töne der Melodie sind bereits in einem einzigen Grundton enthalten (in den Harmonischen 6 bis 13, vgl. Komponieren mit Obertönen). Man kann sie also auf einem Ton singen.

Hier gibt es die Noten kostenlos →

 

Quellen & Links

https://www.facebook.com/oliver.zunker?fref=ts

http://www.mundwerk.biz/

https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A8re_Jacques

Die Musik zum Film „La Grande Bellezza“ (Die große Schönheit, 2013) von Paolo Sorrentino bedient sich u. a. der Obertongesang-Interpretation von Pérotins „Beata viscera“ des estnischen a cappella Ensembles Vox Clamantis. Beata viscera ist auf der CD Filia Sion enthalten.

Beata viscera ist ein Werk des französischen Komponisten Pérotin aus dem 12. Jh und gehört zur frühesten Mehrstimmigkeit in Europa.

Obertongesang verleiht der Komposition eine mystische Stimmung. Natürlich ist Obertongesang nicht Bestandteil der Originalkomposition von Perotin, sondern wurde von Vox Clamantis hinzugefügt. Mir gefällt diese Modifikation sehr, besonders deshalb, weil die Obertöne kontrolliert und musikalisch integriert werden. Sie bilden eine eigenständige Melodie und sind vermutlich nicht, wie weit verbreitet, Zufallsprodukte, sondern ganz gezielt gesungen. Obwohl manchmal die Dur-Terz der Obertonreihe mit der Moll-Terz der dorischen Melodie in Konflikt steht. Ich bringe meinen Masterclass-Studenten bei, diese Konflikte gezielt zu umgehen, es sei denn, sie wären ausdrücklich erwünscht.

Beata viscera hatte übrigens früher schon einmal das Hilliard Ensemble zu einer Neuinterpretation mit dem Saxophonisten Jan Garbarek angeregt (auf der CD Officium).

Bildnachweis: Beata Viscera von Perotin (Wolfenbüttel Digital Library) [Public domain], via Wikimedia Commons.

 

The Life of the Buddha. Der Londoner Komponist Glenn Keiles komponierte 2002 die Filmmusik zu dieser 50-minütigen BBC-Dokumentation für den Aachener Obertonchor unter der Leitung von Wolfgang Saus. Mit einer kleinen Gruppe nahmen wir den Chorpart an einem einzigen Tag in St. Gereon in Giesenkirchen auf. Mit dabei waren: Britta Blisniewski, Ellen Kreft, Helga und Wolfhard Barke, Chris und Tim Ellis, Ralf Malzkorn (und ich natürlich).

Glenn brachte den Aufnahmeleiter und das komplette Equipment aus England mit um gleich am nächsten Tag nach Südafrika weiter zu fliegen. Er muss die vorab in London aufgenommenen Soli und Instrumentalparts bereits während des Fluges gemischt haben, denn schon am Abend war das Master fertig zu Hören.

Da wir vorab keinen Gesamteindruck des Stücks hatten und auch den Film nicht kannten, war es eine spannende Arbeit, die Phrasen entsprechend der sehr genauen Klangvorstellungen des Komponisten einzusingen. Die Obertöne waren zum Teil ausnotiert, zum Teil war Spielraum für Improvisation. Die Grundtöne waren stets genau notiert.

Die Reaktionen von Glenns Komponistenkollegen in London waren sehr interessant: sie wollten von ihm wissen, wie er einen so natürlich und lebendig klingenden Synthesizerklang programmiert hat. 2003 war Obertongesang im Chor noch praktisch unbekannt bei Komponisten.

International movie data base: http://www.imdb.com/title/tt1806108/

Veranstaltungen

⇒Symposium-Website

Übersicht als PDF-Datei | Vorträge | Workshops & Meisterkurse

Vom 11.-15. Mai 2021 findet im Obertoggenburg das erste Naturton & Oberton Symposium statt.

Aus allen Sparten besinnen sich die Menschen immer wieder auf die magische Welt der Obertöne und kehren ein in die Naturgesetze des Klanges. Daraus schöpfen sie neue Erkenntnisse und Inspiration für ihre Werke. Am Symposium widmen sich Musikerinnen und Musiker, Musikinteressierte und Neugierige während fünf Tagen dem Klangkosmos der Natur- und Obertöne.

Meisterkurs Oberton Chorprojekt

⇒Meisterkurs-Website

Marcello Wick & Wolfgang Saus bieten im Rahmen des Symposiums einen gemeinsamen Meisterkurs für Chorsänger mit und ohne Obertonerfahrung an.

Für das neue Projekt im Rahmen des Symposiums können fortgeschrittene Obertonsänger, aber auch interessierte Chorsänger ohne Obertongesangserfahrung im Rahmen der Meisterklasse und auch am «Gipfel der Naturtöne» mitwirken. Im Weiteren sind auch Folgekonzerte im In- und Ausland geplant. Es besteht auch die Möglichkeit nach der Meisterklasse dem Chor beizutreten.

Inhaltlich stehen zwei Uraufführungen von Fortunat Frölich im Zentrum sowie weitere interessante Obertonkompositionen aus dem Repertoire des Chor Partial, welche in Zusammenarbeit mit Wolfgang Saus erarbeitet werden.

Vortrag: OBERTÖNE  & BEWUSSTSEIN
Ihre Wirkung auf unser Bewusstsein / Die geistige Dimension der Obertöne

Wolfgang Saus

Samstag, 15. Mai 2021, 17.45 – 18.30 Uhr

⇒Referat-Website

Obertöne sind überall in der Musik, in Klängen, in jedem Ton und sogar Geräuschen von Maschinen enthalten, doch wir nehmen sie nicht wirklich wahr. Warum eigentlich nicht? Immerhin sind die Obertöne die Grundlage aller Musik und aller gesprochenen Sprachen dieser Welt. Und warum hören wir sie z. B. beim Obertongesang plötzlich? Und – hören wir sie denn tatsächlich? Obertöne bergen faszinierende Geheimnisse, deren Entschlüsselung in den letzten Jahren für Erstaunen gesorgt hat. Der Vortrag gibt den Teilnehmern Gelegenheit, an sich selbst zu erfahren, wie Obertöne die Wahrnehmung nachhaltig beeinflussen können. Die Hörer erfahren, was die Obertöne im Gehirn anstellen, was das mit Heilwirkung und Esoterik zu tun hat und wie man mit Obertönen womöglich eine völlig neue Dimension von psychoaktiver Vokalmusik erzeugen kann. Der Vortrag verspricht viele unerwartete Klangbeispiele und Interaktionen.

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