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Wolfgang Saus singt Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ im Magnetresonanztomographen mit Obertongesang.

Dieses spektakuläre dynamische MRT-Video zeigt, wie sich die Zunge bei Obertongesang bewegt. Die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ entsteht durch Doppelresonanzen, die von der Zunge im Mund- und Rachenraum gebildet werden. Obertongesang basiert auf der Zusammenführung der zweiten und dritten Resonanzfrequenzen des Vokaltrakts auf eine einzige Frequenz, um die Lautstärke eines einzelnen Obertons aus dem Stimmklang zu erhöhen.

Die zweite Resonanzfrequenz wird vom Zungengrund zusammen mit dem Kehldeckel kontrolliert. Die dritte Resonanzfrequenz wird durch den Raum unter der Zunge reguliert, der größer ist als er im Video erscheint, weil er sich auch seitlich des Zungenbändchens ausbreitet, das im Bild den Raum verdeckt. Obertongesang erfordert eine ständige Feinabstimmung der beiden Resonanzkammern.

Es ist garnicht einfach, in dem sehr lauten Magnetresonanztomographen zu singen und dazu noch den Klang aufzuzeichnen. Der Lärmpegel ist so hoch, dass ich Gehörschutz tragen musste und meine eigenen Obertöne nicht hören konnte. Ich musste nach Gefühl singen. Das dabei die richtige Melodie herauskam, ist allein schon spektakulär. Zeigt es doch, dass es möglich ist, ein Körpergefühl für die exakte Tonhöhe der Resonanzen zu entwickeln, das auch ohne akustische Kontrolle duch das Gehör funktioniert.

Das Team in Freiburg hat hoch spezialisiertes Equipment für Aufnahme und Filterung entwickelt. Natürlich ist der Sound kein HiFi.

MRT Filmmaterial mit freundlicher Genehmigung und einem großem Dank an:
Universitätsklinikum Freiburg
Klinik für Radiologie – Medizinphysik & Institut für Musikermedizin
https://fim.mh-freiburg.de/
Prof. Dr. Bernhard Richter
Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig
Prof. Dr. Matthias Echternach
(c) 2015

Gene Shinozaki stimmperformed seine Eigenkomposition Home im YouTube Space New York. Die neue Generation Beatboxer beginnt die Formaten geziehlt einzusetzen – die Kunst der westlichen Obertontonsänger der 2. Generation.

Christopher Vila ist Erfinder und Hersteller dieses hinreißenden Musikinstruments, dass einen beim Spiel schnell mal in eine tiefe Selbstvergessenheit führt, von der man auch als Zuhörer noch etwas spürt: Cosmicbow.

Im Video demonstriert er eine unglaubliche Kontrolle des ersten und zweiten Formanten, indem er mit beiden eine unabhängige Melodie spielt. Den tieferen Oberton kontrolliert er mit dem vorderen Mundraum, die hohen Obertöne werden hingegen im Rachenraum hauptsächlich von der Position des Kehldeckels bestimmt.

Diese Kunstfertigkeit ist ein Beispiel dafür, wieviel Musik es allein in unseren vokalen Resonanzräumen noch zu entdecken gibt. Interessant ist der Zusammenhang mit Gesangsphonetik, bei der ebenfalls eine Kontrolle der Formanten gefordert ist, um die Brillianz und Tragfähigkeit der Stimme zu ermöglichen, die für klassischen Gesang erforderlich ist. Ich kann jedem klassischen Sänger empfehlen, sich mal ein Weile mit dem Cosmicbow zu beschäftigen.

Veranstaltungen

Die Teilnehmer lernen in diesem Seminar, ihren Stimmklang auf einem völlig neuen Niveau zu kontrollieren und zu veredeln. Sie lernen, das enorme Potenzial der Resonanz mit einem neuen Verfahren für sich gezielt zu nutzen, um entspannt Lautstärke zu produzieren und optimal zu artikulieren. Darüber hinaus lernen sie eine Möglichkeit kennen, mittels ausgewählter Vokale die Intonation zu verbessern und zu entscheiden, ob sie in einem Ensemble homogen zu einem Chorklang verschmelzen oder als Solisten herausklingen möchten.

Eine gute Resonanz ist entscheidend, um die Gefahr des Forcierens zu minimieren. Bisher wird Resonanz überwiegend durch Bildsprache und subjektive Wahrnehmung vermittelt. In dem Seminar wird ein neues Vokal-Resonanz-Diagramm eingeführt, dass den komplexen Zusammenhang zwischen Tonhöhe, Vokalklang und Resonanz übersichtlich veranschaulicht. Mithilfe des Diagramm wird unmittelbar klar, warum manche Vokale bei bestimmen Tönen nicht „funktionieren“. Dieses Wissen kann den Lernprozess enorm beschleunigen.

Voraussetzung für diese neue Methode der Gesangsphonetik ist das Erlernen der sogenannten Obertonhörens, einer Hörweise, die Informationen des auditiven Cortex der rechten Gehirnhälfte aktiviert. Erstaunlicherweise ist das Obertonhören nur wenigen Musikern vertraut ist. Erstaunlich deshalb, weil es in nur wenigen Minuten erlernt werden kann und fortan das Hören erheblich vertieft. Wer sich optimal auf das Seminar vorbereiten möchte, kann vorab diesen spannenden Hörtest auf der Website des Referenten machen: https://www.oberton.org/hoertest-saus/

Die Teilnehmer lernen, wie sie die Resonanzen mit den Vokaltraktartikulatoren Zunge, Lippenöffnung und Kehlposition wesentlich präziser als bisher kontrollieren können. Es wird dann sogar möglich, Vokale so gezielt einzusetzen, dass im Ensembleklang reine Intonation völlig natürlich und entspannt entsteht. Ensemblesänger werden Homogenität und Zusammenklang auf einer neuen Ebene erleben.

Wolfgang Saus ist freiberuflicher Musiker, Gesangspädagoge und Stimmforscher. Als Experte für Obertongesang mit den Wurzeln im Klassischen Gesang und mit Diplom in physikalischer Chemie hat er eine besondere Art, die Faszination des Stimmklangs zu vermitteln. Der Klühstiftung-Preisträger und Erfinder einiger Patente stieg vor 25 Jahren chemischen Industrieforschung aus, um sich völlig den Obertönen der Stimme, deren Erforschung und Weiterentwicklung zu widmen. Er ist Mitentwickler der Klanganalysesoftware „Overtone Analyzer“ und „VoceVistaVideo“, Fachautor, Gründer des Europa-Obertonchores und seit 2015 Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Gesangswissenschaft.