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Dieser Hörtest öffnet Deine Ohren in nur nur 3:20 Minuten für eine neue Hördimension, die nur ca. 5% der Musiker wahrnehmen: das Obertonhören. Diese Fähigkeit ist essentiell für das Erlernen von Obertongesang. Und es ist Voraussetzung für die praktische Umsetzung von Gesangs- und Chorphonetik.

2004 fand eine Arbeitsgruppe um Dr. Peter Schneider an der Uniklinik Heidelberg, dass Menschen Klänge unterschiedlich wahrnehmen, jenachdem welche Gehirnhälfte die Verarbeitung des Klangs übernimmt. Sie entwickelten den Heidelberger Hörtest, um herauszufinden, ob jemand eher Grundtöne oder eher Obertöne in einem Klang wahrnimmt. →Hier kannst Du den Heidelberger Test machen 

Mein Hörtest ist anders. Er testet, ob jemand eher Vokale oder eher Obertöne in einem Klang erkennt. Im zweiten Teil schult er, die Schwelle zwischen Vokal- und Obertonwahrnehmung zugunsten der Obertöne zu verschieben.

Saus’scher Hörtest

Höre Dir entspannt das erste Tonbeispiel an. Ich singe eine Folge sinnloser Silben auf einen einzigen Ton. Wenn Du darin eine bekannte Melodie aus der Klassik erkennst, dann herzlichen Glückwunsch, Du hast ein ausgeprägtes Obertongehör und gehörst zu den 5% Menschen, die diese Wahrnehmung spontan haben.

Tonbeispiel 1

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Falls Du die Melodie nicht hörst, keine Sorge. Am Ende des Hörtests wirst Du die Obertöne hören.

In den nächsten Tonbeispielen entziehe ich der Stimme mehr und mehr Klanginformationen, die vom Gehirn als Bestandteil von Sprache interpretiert werden. Als nächstes singe ich die Silben,  indem ich nur noch den 2. Vokalformanten verändere. Den ersten halte ich unbewegt in tiefer Lage. Die Silben enthalten dann nur noch Ü-Laute, die Melodie wird für einige jetzt deutlicher.

Tonbeispiel 2

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Wenn die Melodie jetzt klar wird, Glückwunsch. Hier hören 20-30% die Melodie. Vielleicht ahnst Du die Melodie aber nur und weißt nicht, ob Du sie Dir nur einbildest. Vertraue der Einbildung. Denn Dein Gehör nimmt die Melodie auf, nur ein Filter in Deinem Bewußtsein sagt, dass die Information nicht wichtig ist. Spracherkennung ist viel wichtiger.

Ich will an dieser Stelle die Melodie preisgeben: Es handelt sich um „Freude schöner Götterfunken“ aus der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Im Nächsten Tonbeispiel pfeife ich sie tonlos. Dann lernt Dein Gehirn besser, worauf es hören soll. Höre Dir danach nochmal Tonbeispiel 2 an.

Tonbeispiel 3

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Geht es besser? Falls nicht, höre Dir das nächste Beispiel an.

Im Tonbeispiel 4 lasse ich die Konsonanten weg. Jetzt hat das Broca-Zentrum, die Gehirnregion für Spracheerkennung, nichts mehr zu tun und gibt die Höraufmerksamkeit an andere Regionen ab.

Tonbeispiel 4

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Jetzt sind etwa 60-80% dabei. Wenn Du die Melodie hier nicht hörst, bist Du wahrscheinlich auch im Heidelberger Hörtest als Grundtonhörer eingestuft. Das hat nichts mit Musikalität zu tun. Du bist in Gesellschaft einiger der besten Flötisten, Schagzeuger und Pianisten.

Im nächsten Beispiel verfremde ich den Klang vollständig. Ich senke mit spezieller Zungenstellung den dritten Formanten um 2 Oktaven ab, bis er dieselbe Frequenz hat, wie der zweite. Dadurch bildet sich eine Doppelresonanz, die in der deutschen Sprache nicht vorkommt.

Tonbeispiel 5

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Die Technik nennt man Obertongesang. Dem Gehör fehlen jetzt Informationen aus dem gewohnten Stimmklang, und einzelne Teiltöne werden durch die Doppelresonanz so laut, dass das Gehirn die Klänge trennt und dem Bewußtsein mitteilt, es handle sich um zwei Töne.

Wahrscheinlich hörst Du jetzt eine flötenartige Melodie und die Stimme. Obertongesang ist eine akustische Täuschung. Denn in Wahrheit hörst Du mehr als 70 Teiltöne. Die physikalische Realität und die Wahrnehmung stimmen selten überein.

Im letzten Tonbeispiel gehe ich den gesamten Weg rückwärts bis zum Anfang. Versuche, den Fokus die gesamte Zeit auf der Melodie zu lassen. Höre Dir das Tonbeispiel 6 ruhig öfter an, es trainiert das Obertonhören und macht Dich in der Wahrnehmung der Klangdetails sicherer.

Tonbeispiel 6

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Unsere Realität entsteht in uns selber. Und sie ist veränderbar.

 

Veranstaltungen

2. Stimmtag für Frauenstimmen, Männerstimmen und die ältere Stimme

Schwäbischer Chorverband

Weitere Informationen folgen.

Kurzlink auf diese Seite: https://www.oberton.org/?p=19140

49. Chorleiter-Fortbildungsseminar

am 29. Februar 2020 im Wilhelm-Kempf-Haus, 65207 Wiesbaden/Naurod

Hier anmelden

Veranstaltungs-Website

Workshop 3: Die Wahl der richtigen Vokale veredelt die Homogenität und Intonation im Chor- und Ensemblegesang. Dafür sind unbewusst wahrgenommene Vokalresonanzen verantwortlich. Eine aus dem Obertongesang entlehnte Hör- und Zungenfertigkeit macht diese Informationen nutzbar. Die Chorsänger lernen, wie sie diese Vokalfeinheiten finden, sie im Vokaltrakt hervorbringen und wie sie im Chor umgesetzt werden können. Anhand konkreter Ausschnitte aus Chorwerken werden die erstaunlichen Ergebnisse von Teilnehmern demonstriert.

Wolfgang Saus ist freiberuflicher Musiker, Gesangspädagoge und Stimmforscher. Als Experte für Obertongesang mit den Wurzeln in klassischem Gesang und mit Diplom in Chemie hat er eine besondere Art, die Faszination des Stimmklangs zu vermitteln. Der Klühstiftung-Preisträger sang als Solist im Theater sowie einigen Profichören und stieg nach 10 Jahren Industrieforschung aus der Chemie aus, um sich völlig den Obertönen der Stimme und ihrer Erforschung zu widmen. Er ist Mitentwickler von Klanganalyse-Software, Fachautor, Gründer des Europa-Obertonchores und seit 2015 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesangswissenschaft.


Samstag:

09:30 Uhr – Anmeldung
10.00 Uhr – Begrüßung
10.15 Uhr – Workshop 1: TYPisch Chor, Regine Müller-Laupert
12.30 Uhr – Mittagessen
13.45 Uhr – Workshop 2: Literaturvorstellung, BMA-Mitglieder
15.45 Uhr – Kaffeepause
16.15 Uhr – Workshop 3: Obertongesang, Wolfgang Saus
18.30 Uhr – Abendessen
19.30 Uhr – Workshop 4: Chor to go, Tristan Meister
Ende ca. 21:00 Uhr

Sonntag:

09.30 Uhr – Workshop 5: Sing it right!, Franny Fuchs
Ende ca. 12:30 Uhr

Die Chorleiterfortbildung des Hessischen Sängerbundes wird unterstützt vom Fachverband der Chorleiter e. V. (FDC) und der Hessischen Chorjugend e. V.

VChN-Weiterbildungstag 2020 – CHORPHONETIK-WORKSHOP MIT WOLFGANG SAUS (Deutschland)

→Zur Website des VChN


Donnerstag, 30. Januar 2020 – 09:00 bis 17:00 Uhr

Klaus Linder-Saal, Hochschule für Musik Basel

Teilnahmegebühren: 80/40 CHF – für VChN-Mitglieder kostenlos!


Chorphonetik ist eine Stimm- und Gehörbildung, die es ermöglicht, Intonation und Homogenität im Chor mit der Klangfarbe der Vokale zu steuern.

Sänger/-innen können lernen, ihre Formanten so auf Teiltöne auszurichten, dass sie sowohl in den musikalischen Kontext passen als auch innerhalb einer Stimmgruppe übereinstimmen. Formanten erzeugen einen (unbewusst wahrgenommenen) Tonhöheneindruck, der die Intonation und Homogenität beeinflusst. Gesangspädagogische Methoden des Obertongesangs bilden die Grundlage für die Schulung der Wahrnehmung dieser Tonhöheninformation und für die Kontrolle der Formanten durch die Form des Vokaltrakts.

Nähere Informationen und Anmeldung hier: PDF-Datei


09:00 bis 12:00
– Einführung einer neuen Hörweise: Töne statt Vokale – Übung
– Einführungsvortrag „Wie Vokale die Chorintonation steuern“, mit Klanganalyse, ca. 30 Min – Übungen zur Kontrolle der 2. Vokalresonanz (2. Formant)
– Übungen zur Bedeutung von Resonanzen
– Anwendungsübungen für 2. Resonanz im Chor, reine Intervalle
Mittagspause (Mittagessen in der Cafeteria für 23 Franken, siehe Anmeldung)
13:30 bis 16:30
– Übungen zur Kontrolle der 3. Vokaltraktresonanz (Obertongesang)
– Übungen zur Resonanzempathie und Resonanzsynchronisierung
– Übung: Warum manchmal unterschiedliche Vokalfärbungen homogener klingen – Anwendungsübungen Resonanzempathie in der Improvisation
– Analyse von Resonanzen in Chorsätzen, Resonanzmatrix
– Anwendung auf Messiaen „O sacrum convivium“
16:30 bis 17:00
Offene Frage- und Feedbackrunde mit Saus

Chorphonetik ist eine zukunftsweisende neue Methode, die Intonation und Homogenität im Chor zu veredeln. Wochenend- oder Tagescoaching auf Anfrage.

 

Ruf mich an, wenn Du mehr über ein Coaching für Deinen Chor oder eine Fortbildung zu Chorphonetik wissen möchtest:
Tel. +49 163 6237866 (mobil, auch SMS)
E-Mail: chorphonetik@oberton.org

Chorphonetik ist eine zukunftsweisende neue Methode, die Intonation und Homogenität im Chor zu veredeln. Wochenend- oder Tagescoaching auf Anfrage.

 

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Tel. +49 163 6237866 (mobil, auch SMS)
E-Mail: chorphonetik@oberton.org