Waldvögel – mein Beitrag zum World Listening Day 2022

Am 18.07.2022 ist wieder World Listening Day. Waldvögel. Ich habe sie aufgenommen, um damit meine zukünftig geplante Obertongesang-Meditationsmusik untermalen zu können.

Da die Verwendung von fremdem Tonmaterial in eigenen Produktionen oft Probleme mit dem Urheberschutz verursacht, stelle ich diese Aufnahme jedem zur freien Verfügung und veröffentliche sie unter public domain, bzw. CC0 Lizenz. Also, bedient Euch, wenn sie Euch gefällt.

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CC0
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Wolfgang Saus

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This work is published from: Deutschland.

Hörst Du eine Melodie oder Silben?

In diesem Video erfährst Du, wie Du Obertöne in Vokalen hören kannst. Das eröffnet Dir eine neue Dimension der Klangwahrnehmung. Diese Art des Hörens ist spontan selten, aber lernbar und eine Grundvoraussetzung für das Verstehen und Erlernen von Chorphonetik. Und es macht Lernen von Obertongesang einfachen und schneller.

Dein Hören verändert sich für immer

Nach diesem Video ist Dein Gehör sofort verändert, und zwar irreversibel. Es ist wie bei einem Vexierbild: Sobald Du beide Seiten gesehen hast, siehst Du sie immer. Nach dem Video bist Du immer in der Lage, Obertöne auch in Klängen zu hören. Sobald Du Silben und Obertöne wahrgenommen hast, kannst Du entscheiden, was Du hören willst. Und wenn Du von heute an 3 Wochen lang Deinen Fokus auf Obertöne richtest, wird Dein Obertonhören fester Bestandteil Deiner Klangwahrnehmung. Dein Gehirn bildet neue Synapsen aus.

Nebenwirkungen

Du wirst Dich wundern, was sich danach noch zusätzlich ändert:

  • Du wirst empathischer hören, besser verstehen, wie andere Menschen sich fühlen, allein weil Du ihre Stimme hörst.
  • Wenn Du im Chor singst, wirst Du die Intonation ganz anders wahrnehmen und unbewußt die Resonanz mit anderen Stimmen finden.
  • Viele berichten auch, dass sie danach intensiver Farben und Düfte wahrnehmen.
  • Du wirst einen bewußteren Zugang zur Resonanz in Deiner Stimme bemerken.

Falls Du die Melodie gleich im ersten Beispiel gehört hast, dann warst Du bereits Obertonhörer. Dann hilft Dir das Video zu verstehen und Dir bewußt zu machen, dass Du anders hörst als 95% der Menschen um Dich herum.

Doch ich habe nie eine Melodie gesungen

Mit das Spannendste an dem Obertonhören ist für mich: Am Ende hat jeder einmal die Melodie gehört – aber ich habe nie eine Melodie gesungen. In allen Gesangsbeispielen sind alle Tonfrequenzen unverändert. Ich habe keine einzige Tonhöhe verändert. Im klassischen Sinne habe ich also keine Melodie gesungen. Ich hab nur Resonanzen und somit Lautstärkeverhältnisse verändert, also im klassischen Sinne habe ich Silben auf einen Ton gesungen, das, was die meisten am Anfang gehört haben.

Trotz Widerspruch haben alle Recht

Wenn jemand also zu Beginn meinte, da sei keine Melodie, hat er Recht, auch noch, als die Melodie für alle offenbar wurde. Und jeder, der eine Melodie hört, hat ebenfalls Recht. Man müsste Melodie unabhängig von der Tonfrequenz definieren.

Ich hatte vor vielen Jahren eine Klangdatei des ersten Beispiels an verschiedene Fachleute geschickt, nachdem ich herausfand, dass andere nicht dasselbe hören wie ich. Und niemand fand ein Melodie, auch nicht mit den modernsten Analysemethoden. Warum nicht? Weil offenbar niemand auf die Idee kam, dass man nach einer Melodie suchen könnte. Wenn man die Melodie dann gehört hat, findet man sie auch im Klangspektrum. Allerdings nur als Lautstärkemuster, nicht als Tonhöhenänderung. Ist doch spannend, oder?

Ich persönlich habe daraus gelernt, Wahrnehmungen anderer, vor allem von Menschen aus dem spirituellen Bereich, die ich möglicherweise früher als unwissenschaftlich abgetan hätte, mit weniger Vorurteilen zu begegnen. Paradigmen zu verlassen gehört wohl in vielerlei Hinsicht zum kommenden Zeitgeist.

Mehr Informationen zum Test und eine Audio-Version zum Download in meinem Blogpost „Nur wenige können diese Melodie hören – Mach den Hörtest“.

Resonanzstrategien auf dem Weg zur nächsten Stufe – Gesangsphonetik


Aufzeichnung des Live Webinars Next Level Resonance Strategies in der Reihe Voice Masters Live von Philippe Hall von Singing Revealed, am 29.03.2022.
Sprache: English


 

  • Was sind Formanten?
  • Was sind Resonanzen?
  • Warum sind Vokale von der Tonhöhe abhängig?
  • Was ist Formantstimmung?

Philippe Hall spricht mit Wolfgang Saus über Vokale und ihre Bedeutung für Resonanzstrategien.

Resonanz ist ein Eckpfeiler jeder Gesangstechnik. Die Beziehung zwischen Vokalen, Resonanzen, Formanten, Obertönen und Tonhöhe ist jedoch ein komplexes Thema und oft verwirrend.

Wolfgang Saus zeigt den Teilnehmern, wie sie mit Hilfe einer Vokalresonanztafel auf einen Blick erkennen können, warum manche Vokale in einer bestimmten Tonlage hervorragend funktionieren und andere überhaupt nicht. Die Teilnehmer lernen, wie Resonanzen durch Zungenbewegungen gesteuert werden können und wie sie mit den richtigen Vokalnuancen ihre Resonanzen optimieren können. Nach dem Seminar können sie sicher mit den Begriffen Vokale, Resonanz und Obertöne umgehen.

Still, still, still – für Obertongesang und Tasten

Still, still, still ist ein österreichisches Weihnachstlied aus dem Salzburger Land. Es erschien erstmals 1865 in einer Liedersammlung im Druck mit folgendem, heut nicht mehr üblichem Text:

1. Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will!
Maria thuat es niedersingen,
Ihre keusche Brust darbringen.
Still, still, still, weil ’s Kindlein schlafen will.

2. Schlaf, schlaf, schlaf, mein liabes Kindlein, schlaf!
Die Engel thuan schön musiziren,
Bey dem Kindlein jubelliren,
Schlaf, schlaf, schlaf, mein liabes Kindlein, schlaf.

3. Groß, groß, groß, die Liab ist übergroß!
Gott hat den Himmels-Thron verlassen
Und muaß reisen auf der Strassen;
Groß, groß, groß, die Liab ist übergroß!

4. Auf, auf, auf, ihr Adams-Kinder auf!
Fallet Jesum all zu Füaßen,
Weil er für uns d’Sünd thuat büaßen,
Auf, auf, auf, ihr Adams-Kinder auf.

5. Wir, wir, wir, thun rufen all’ zu Dir!
Thua uns des Himmels Reich aufschliessen,
Wenn wir einmal sterben müassen,
Wir, wir, wir, thun rufen all zu Dir.

Ausführende:
Michael Reimann – Tasten
https://michaelreimann.de/
Wolfgang Saus – Obertongesang
https://www.oberton.org/
Video – josephphackney pixabay
https://pixabay.com/

Was für ein Sound! – Junges Ensemble Dreden, Olaf Katzer, Jan Heinke

Solche Klänge ziehen mich in den Bann. Wer mich kennt, weiss wie sehr mich zeitgenössische Chormusik berührt. Und als Obertonsänger versuche ich seit fast vier Jahrzehnten, das Obertonbewußtsein in Chöre zu bringen. Umso glücklicher bin ich, wenn Komponisten, die etwas von Obertongesang verstehen, Chormusik schreiben.

Jan Heinke ist ein absoluter Ausnahmemusiker. Wir sind jetzt schon viele Jahre befreundet, und Jan beeindruckt mich immer wieder mit seiner tief reflektierten Weltsicht. Seine Musik ist weltweit einzigartig, sein Spiel auf dem von ihm gebauten Stahlchello, sein ultratiefer Bass und die Virtuosität seines Obertongesangs. Das Junge Ensemble Dresden unter Leitung von Olaf Katzer gehört zu den Spitzenkammerchören in Deutschland und ist einer der erlesenen, die sich der zeitgenössischen ernsten Musik auf höchstem Niveau widmen.

Die CD findet ihr hier: https://jungesensembledresden.de/cd

CD „Licht über Licht“
Interpret: Junges Ensemble Dresden
Künstlerische Leitung: Olaf Katzer
Solist Obertongesang: Jan Heinke
Gesamtspieldauer: 61:30

Jan Heinke: http://www.janheinke.de/, http://www.stahlquartett.de/

Es ist ein Ros entsprungen – für Obertongesang und Klavier

Noten aus dem Speyerer Gesangbuch 1599 - Es ist ein Ros entsprungen„Es ist ein Ros entsprungen“ ist ein Weihnachtslied aus dem Speyerer Gesangbuch 1599. Hier als Fassung für Klavier (Michael Reimann) und Obertongesang (Wolfgang Saus).

Die besondere Herausforderung für Obertonsänger besteht hier insbesondere im Intonationskonflikt der natürlichen Obertonterzen mit den gleichstufigen des Klaviers. In dieser Version habe ich teilweise die Obertöne an die gleichstufige Stimmung angepaßt, was zu „unsauberen“ Grundtönen führt. Die Alternative, die Obertöne im Verhältnis „unsauber“ zu intonieren wird von manchen als insgesamt sauberer empfunden. Ein interessantes Experiment. Klavier und Obertöne passen nie exakt zusammen, weil ausser der Oktave keines der Klavierintervalle der natürlichen Obertonordnung entspricht. Ich finde, es klingt troztdem reizvoll.

Hier gibt es die Gratis Noten.

Ausführende:
Michael Reimann – keys
https://michaelreimann.de/
Wolfgang Saus – Obertongesang
https://www.oberton.org/
Video – caelan, pixabay
https://pixabay.com/

Maria durch ein Dornwald ging – Obertongesang

„Maria durch ein Dornwald ging“ ist ein deutsches Adventlied aus dem 19 Jahrhundert. Die Melodie stammt möglicherweise aus dem 16. Jahrhundert (wikipedia). Erstmals gedruckt wurde es 1850 in „Geistliche Volkslieder mit ihren ursprünglichen Weisen – gesammelt aus mündlicher Tradition und seltenen alten Gesangbüchern“, [August Haxthausen]. Paderborn 1850. https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/1931586

Für Obertongesang besteht die Herausforderung in der Moll-Melodie. Weil die singbare Obertonreihe in Dur gestimmt ist, muss man den Grundton mehrfach ändern, um die Melodie singen zu können. Michael Reimann improvisiert seinen Klavierpart entsprechend der Anforderungen, die an den Obertongesang gestellt sind. Das kann er, weil er selber hervorragen Oberton singt. Wir sind so gut aufeinander eingespielt, dass wir diese Fassung frei improvisieren und in einem Take aufnehmen konnten.

Wer’s nachsingen möchte, findet die kostenlosen Noten in meiner Notensammlung.

Ausführende:
Michael Reimann – keys
https://michaelreimann.de/
Wolfgang Saus – Obertongesang
https://www.oberton.org
Das Video stammt von jrydertr, Pixabay.

Kostenlos: sing2 – Ein Übungsbuch für polyphonen Obertongesang für Frauenstimme, englische Version

 

Mit großer Freude darf ich hier ein Buch zweier meiner Schülerinnen und Absolventinnen meiner Obertongesangsausbildung präsentieren: sing2 – Overtone Melodies for Women, von Beate Eckert und Barbara Lübben.

Mit steigender Tonhöhe nimmt die Anzahl singbarer Obertöne ab. Deshalb stellt polyphoner Obertongesang an Frauenstimmen hohe Ansprüche, denn hohe Stimmen müssen den Grundton häufiger wechseln als tiefe Stimmen, um bestimmte Melodietöne mit Obertönen zu erreichen (→ Komponieren mit Obertongesang). Barbara Lübben und Beate Eckert haben dieses Büchlein mit polyphonen Oberton-Übungen herausgebracht, dass sich speziell dieser Anforderungen annimmt und für Frauen den Einstieg in den polyphonen Obertongesang erleichtert. Aber auch Männerstimmen können die Melodien in ihre Lage transponieren.

Eine der Herausforderungen beim Erlernen von Grundtonwechseln beim Obertongesang besteht in der Koordination von Resonanz und Sington. Das Multitasking bei der Konzentration auf zwei Melodien führt anfangs häufig zu Verwechslungen der beiden Melodie erzeugenden Prinzipien beim Obertongesang. Während die Unterstimme wie gewohnt von den Stimmbändern erzeugt wird, wird die Obertonmelodie durch Formveränderung im Mund- und Rachenraum gebildet.

Sing2 verwendet bekannte Melodien für den Obertonpart, was die Konzentration auf zwei gleichzeitig gesungene Melodien erleichtert. Selbst wenn man mal die Orientierung verliert, was anfangs auf jeden Fall passieren wird, findet man in eine bekannte Melodie schneller wieder hinein.

Ich selbst habe viel Freude an den Übungen und verwende sie gerne in meinen Kursen für Fortgeschrittene.

Im November des Coronajahres 2020 erschien die kostenlose englische Ausgabe von sing2. Die beiden Autorinnen haben beschlossen, nicht nur diese Ausgabe kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern zusätzlich noch einen Download mit Sounddateien, in denen alle Stücke von den Autorinnen selber vorgesungen werden. Wer mag, findet auf ihrer Homepage einen Link für einen freiwilligen Beitrag, den ich natürlich allen nahelege, die an dem Büchlein Vergnügen oder einen Nutzen haben. Die deutsche Ausgabe könnte Ihr in gedruckter Form zusammen mit einer CD auf der Website kaufen.

https://www.polyphona.de/sing2-en.html

Stimmstörungen - ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft

Momentan kostenlos: Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft

Wie der Bundesverband Deutscher Klinischer Sprechwissenschaftler heute mitteilte, ist der Jubiläums-Band anlässlich des 25-jährigen Bestehens des DBKS, Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft, momentan kostenlos im Open Access verfügbar. «Hiermit ist eine Reminiszenz an unsere viel zu früh verstorbene, wunderbare Kollegin und das ehemalige DBKS-Vorstandsmitglied Anke Bergt verbunden, die als Mitherausgeberin fungiert hatte», teilte die Sprecherin der Abt. Sprechwissenschaft und Phonetik und Direktorin des Institutes für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften, Prof. Dr. phil. habil. Susanne Voigt-Zimmermann, mit.

Zu dem Band habe ich einen kleinen Text über die Kontrolle von Formanten beigetragen. Den Band könnt Ihr online lesen und als PDF herunterladen.

→Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft

Warum klingt Chormusik so gut?

Ich habe mich sehr über dieses Video von Barnaby Martin gefreut. Es ist eine wunderbare Einführung in die Grundlagen meiner →Chorphonetik. In diesem Video zeigt er, warum die Formanten für die Intonation so wichtig sind.

Chorphonetik nutzt unsere verborgene Fähigkeit, Resonanzen im Vokaltrakt als Tonhöhen wahrzunehmen (→Hörtest). Und sie schult eine spezielle Feinmotorik der Zunge, um diese Resonanzen gezielt zu kontrollieren und die Klangfarbe an Akkorde anzupassen. Dieses Know-how versetzt Sänger in die Lage, Resonanzen genauso exakt zu stimmen wie ihre Gesangstöne. Damit wird die Klangfarbe zum Musikinstrument. Chorklänge, wie sie im Video zu hören sind, werden steuerbar.

Wofür sonst Chorsänger viele Jahre Erfahrung und Stimmtraining brauchen, kann mit dem Wissen von Chorphonetik sehr viel schneller erreicht werden. Chorsänger/innen und Chorleiter erlernen die dazu nötigen gesangstechnischen Methoden üblicherweise schon in wenigen Tagen und können sie innerhalb eines halben Jahres zu einem abrufbaren Skill Set entwickeln. Das veredelt dann nicht nur die Intonation und Homogenität im Ensemble, sondern auch die Tragfähigkeit und Leichtigkeit der Stimme.

Barnaby Martin hat ein großartiges Talent, komplexe musikalische Phänomene einfach und kurzweilig zu erklären. Abboniert unbedingt seinen YouTube-Kanal „Listening In“, da gibt es eine Menge erstklassiger Videos zur Wirkung musikalischer Klänge. Unter anderem empfehle  sein Video über die völlig verrückten Intonationsbewegungen, die Jacob Collier in seinen Chorstücken verwendet. Leute, Chorphonetik wird langsam Mainstream :)!