Kostenlos: sing2 – Ein Übungsbuch für polyphonen Obertongesang für Frauenstimme, englische Version

 

Mit großer Freude darf ich hier ein Buch zweier meiner Schülerinnen und Absolventinnen meiner Obertongesangsausbildung präsentieren: sing2 – Overtone Melodies for Women, von Beate Eckert und Barbara Lübben.

Mit steigender Tonhöhe nimmt die Anzahl singbarer Obertöne ab. Deshalb stellt polyphoner Obertongesang an Frauenstimmen hohe Ansprüche, denn hohe Stimmen müssen den Grundton häufiger wechseln als tiefe Stimmen, um bestimmte Melodietöne mit Obertönen zu erreichen (→ Komponieren mit Obertongesang). Barbara Lübben und Beate Eckert haben dieses Büchlein mit polyphonen Oberton-Übungen herausgebracht, dass sich speziell dieser Anforderungen annimmt und für Frauen den Einstieg in den polyphonen Obertongesang erleichtert. Aber auch Männerstimmen können die Melodien in ihre Lage transponieren.

Eine der Herausforderungen beim Erlernen von Grundtonwechseln beim Obertongesang besteht in der Koordination von Resonanz und Sington. Das Multitasking bei der Konzentration auf zwei Melodien führt anfangs häufig zu Verwechslungen der beiden Melodie erzeugenden Prinzipien beim Obertongesang. Während die Unterstimme wie gewohnt von den Stimmbändern erzeugt wird, wird die Obertonmelodie durch Formveränderung im Mund- und Rachenraum gebildet.

Sing2 verwendet bekannte Melodien für den Obertonpart, was die Konzentration auf zwei gleichzeitig gesungene Melodien erleichtert. Selbst wenn man mal die Orientierung verliert, was anfangs auf jeden Fall passieren wird, findet man in eine bekannte Melodie schneller wieder hinein.

Ich selbst habe viel Freude an den Übungen und verwende sie gerne in meinen Kursen für Fortgeschrittene.

Im November des Coronajahres 2020 erschien die kostenlose englische Ausgabe von sing2. Die beiden Autorinnen haben beschlossen, nicht nur diese Ausgabe kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern zusätzlich noch einen Download mit Sounddateien, in denen alle Stücke von den Autorinnen selber vorgesungen werden. Wer mag, findet auf ihrer Homepage einen Link für einen freiwilligen Beitrag, den ich natürlich allen nahelege, die an dem Büchlein Vergnügen oder einen Nutzen haben. Die deutsche Ausgabe könnte Ihr in gedruckter Form zusammen mit einer CD auf der Website kaufen.

https://www.polyphona.de/sing2-en.html

Momentan kostenlos: Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft

Wie der Bundesverband Deutscher Klinischer Sprechwissenschaftler heute mitteilte, ist der Jubiläums-Band anlässlich des 25-jährigen Bestehens des DBKS, Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft, momentan kostenlos im Open Access verfügbar. «Hiermit ist eine Reminiszenz an unsere viel zu früh verstorbene, wunderbare Kollegin und das ehemalige DBKS-Vorstandsmitglied Anke Bergt verbunden, die als Mitherausgeberin fungiert hatte», teilte die Sprecherin der Abt. Sprechwissenschaft und Phonetik und Direktorin des Institutes für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften, Prof. Dr. phil. habil. Susanne Voigt-Zimmermann, mit.

Zu dem Band habe ich einen kleinen Text über die Kontrolle von Formanten beigetragen. Den Band könnt Ihr online lesen und als PDF herunterladen.

→Stimmstörungen – ein Fokus der Klinischen Sprechwissenschaft

Warum klingt Chormusik so gut?

Ich habe mich sehr über dieses Video von Barnaby Martin gefreut. Es ist eine wunderbare Einführung in die Grundlagen meiner →Chorphonetik. In diesem Video zeigt er, warum die Formanten für die Intonation so wichtig sind.

Chorphonetik nutzt unsere verborgene Fähigkeit, Resonanzen im Vokaltrakt als Tonhöhen wahrzunehmen (→Hörtest). Und sie schult eine spezielle Feinmotorik der Zunge, um diese Resonanzen gezielt zu kontrollieren und die Klangfarbe an Akkorde anzupassen. Dieses Know-how versetzt Sänger in die Lage, Resonanzen genauso exakt zu stimmen wie ihre Gesangstöne. Damit wird die Klangfarbe zum Musikinstrument. Chorklänge, wie sie im Video zu hören sind, werden steuerbar.

Wofür sonst Chorsänger viele Jahre Erfahrung und Stimmtraining brauchen, kann mit dem Wissen von Chorphonetik sehr viel schneller erreicht werden. Chorsänger/innen und Chorleiter erlernen die dazu nötigen gesangstechnischen Methoden üblicherweise schon in wenigen Tagen und können sie innerhalb eines halben Jahres zu einem abrufbaren Skill Set entwickeln. Das veredelt dann nicht nur die Intonation und Homogenität im Ensemble, sondern auch die Tragfähigkeit und Leichtigkeit der Stimme.

Barnaby Martin hat ein großartiges Talent, komplexe musikalische Phänomene einfach und kurzweilig zu erklären. Abboniert unbedingt seinen YouTube-Kanal „Listening In“, da gibt es eine Menge erstklassiger Videos zur Wirkung musikalischer Klänge. Unter anderem empfehle  sein Video über die völlig verrückten Intonationsbewegungen, die Jacob Collier in seinen Chorstücken verwendet. Leute, Chorphonetik wird langsam Mainstream :)!

Arte-Film: Der Ruf der mongolischen Steppe

13 Min.
Verfügbar vom 09/03/2020 bis 09/03/2022

Der im Film interviewte bedeutende mongolische Musiker Sengedorj Nanjid verstarb am 9.9.2020. Aus diesem Anlass poste ich diesen Film.

Quellen

Deutsche Version bei Arte

Version française, Arte

Radio Feature: Zwischen zwei Tönen – Die Kunst des Obertonsingens

Obertöne muss man zuerst hören lernen. Mit dieser Sendung gelingt das. Wer es lernt, der wird seine gesamten Hörgewohnheiten verändern. Denn es eröffnen sich ganz neue Einsichten in das Wesen von Klängen und Wirklichkeiten.

Radio Feature von: Tanja Gronde. Sendung vom 09.05.2020 auf BR Bayern 2 und BR Heimat.

Mehr zur Sendung [BR Bayern2 und BR Heimat].

Jetzt kostenlos: Der Film „Raum • Klang • Stimme“ von Minghao Xu

Der Film von Minghao Xu von 2009 bringt uns das Mysterium der Obertöne nah, das umso seltsamer zu werden scheint, je tiefer man sich damit befasst. Der Film beleuchtet das Phänomen aus der Sicht einiger der größten Experten auf dem Gebiet des Obertongesangs mit einigen spannenden und gut recherchierten wissenschaftlichen und philosophischen Hintergründen. Diese Filmdokumentation porträtiert sieben internationale Musiker und erzählt die Geschichte der persönlichen Faszination des Regisseurs für den ‚Obertongesang‘ und die fraktale Geometrie des Klangs. Eine erstaunliche Reise in eine geheimnisvolle Klangwelt.

Mit

  • David Hykes
  • Wolfgang Saus
  • Christian Bollmann
  • Danny Wetzels
  • Hosoo & Transmongolia
  • Jill Purce
  • Mark van Tongeren

Regie und Produktion: Minghao Xu
2009 Traumzeit-Verlag, David Lindner

Die DVD des Films mit einigen Extras auf Deutsch/Englisch kannst Du hier günstig erwerben.

Minghao Xu über seinen Film (Zitat aus facebook):

My first production – a documentary about overtone singing – was published in 2010. Now after 10 years I am making it available for free on YouTube.

A big Thank You to Danny Wetzels who introduced me to overtone singing, who was and is a musical inspiration and a friend to me throughout the years.

Big Thank You to Wolfgang Saus who has a deep understanding of the human voice, who is brilliant in teaching how to hear and sing overtones and who supported me massively in creating this documentary.

Thank You to David Hykes who touched me as a singer as much as an inspirational being.

Thank You to Christian Bollmann, Hosoo Dangaa Khosbayar, Jill Purce and Mark van Tongeren – without your presence, knowledge, voice and contribution this project couldn’t have manifested. And Thank You to David Lindner for your help to publish this project through the Traumzeit Verlag.

 

 

Obertongesang lernen mit Timber Hemprich: 1. Basisübung

Timber Hemprich, Absolvent meiner Obertongesangsausbildung, zeigt hier schön systematisch eine der grundlegenden Einstiegsübungen für den westlichen polyphonen Obertongesang.

Mit dieser Übung gewöhnen sich Ohr und Zunge an die Entschleunigung der Bewegungen bei Vokalübergängen. Und das Gehör erhält einen ersten Eindruck von den Obertönen der eigenen Stimme.

Falls Du anfangs Probleme hast, Deine eigenen Obertöne zu hören, dann mach dieses 5-Minuten-Gehörtraining. Das hilft Dir, die für das Obertonhören wichtigen Gehirnareale zu aktivieren.

Timber Hemprich’s Website: timber-seminare.de

Domglocken zu Aachen, volles Geläut

Das volle Geläut des Aachener Doms, aufgenommen Heiligabend um Mitternacht.
Schön im Spektrogramm zu sehen, wie sich manche Töne erst nach dem Schlag entwickeln. Und nicht immer sind die lautesten auch die wahrgenommenen.

Marienglocke: Schlagton g+8, 2075 mm Durchmesser und 5.800 kg.
Karlsglocke: Schlagton h+7, 1628 mm Durchmesser und 2700 kg.
Joh. Evangelist: Schlagton d’+8, 1367 mm Durchmesser und 1650 kg.
Joh. Baptist: Schlagton e’+7, 1367 mm Durchmesser und 1150 kg.
Leopardusglocke: Schlagton fis’+3, 1078 mm Durchmesser und 800 kg.
Stephanusglocke: Schlagton g’+8, 1027 mm Durchmesser und 700 kg.
Petrusglocke: Schlagton a’+1, 894 mm Durchmesser und 450 kg.
Simeonsglocke: Schlagton h’+8, 793 mm Durchmesser und 300 kg.

Das Glockenmotiv bildet der lateinische Hymnus Veni creator spiritus. Die Marienglocke wurde übrigens von den Nazis eingeschmolzen und 1958 neu gegossen.

Nach vielen Jahren hatte es 2017 endlich geklappt, eine weitgehend störungsfreie Aufnahme zu machen. Ich habe sie vom Katschhof zwischen Dom und Rathaus aus aufgenommen und diesmal mit windgeschützten Hypernierenmikros auf einem hohen Ständer hinter zwei einsamen Weihnachtsmarkbuden aufgenommen und eine Stunde vorher alle Sicherheitsleute (die die leeren Weihnachtsmarktbuden bewachen) aufgesucht, die Aufnahme besprochen und – wichtig! – ihnen einen Platz gezeigt, von dem aus sie mich beobachten können, ohne die Aufnahme allzusehr zu stören.

Jahrelang hat es immer Störungen gegeben. Leider auch bei der akustisch schönsten 3D Aufnahmen mit OKM Originalkopfmikrofonen 2014. Mal hat’s gestürmt, mal geregnet, mal fuhr die Polizei über den Katschhof, mal pustete ein Gebläse in eine Plastikprinte, oder Sicherheitsleute stellten Fragen, oder jemand stakte lautstark mit Stöckelschuhen in die Dom-Mette. 2017 haben Hypernierenmikrofone mit Windschutz die Platzgeräusche und den Wind weitgehend ausgeblendet.

2018 bin ich aus Aachen weggezogen und bin froh, diese Aufnahme im Kasten zu haben. Sie gibt Heimatgefühle. Der Dom ist für mich das nachhaltig Beeindruckendste in Aachen.

Software: Overtone Analyzer, https://sygyt.com

Stille Nacht mit Obertongesang

„Stille Nacht, heilige Nacht“, das weltweit bekannteste Weihnachtslied wurde am 24.12.1818, vor genau 200 Jahren, zum ersten Mal gesungen. Zu Heiligabend 1818 führten der Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787–1863) und der Hilfspfarrer Joseph Mohr (1792–1848) in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied erstmals auf. (Wikipedia)

Für die vorliegende Fassung für Obertongesang hat der geniale Pianist Michael Reimann einen Klaviersatz auf dem E-Piano improvisiert. Die Noten für Obertongesang sind für Anfänger geeignet. Allerdings wird an einer Stelle ein kleiner psychoakustischer Trick verwendet, denn einer der Melodietöne ist eigentlich nicht in der Obertonreihe enthalten. Wer findet sie?

Michael Reimann: https://www.michaelreimann.de/
Video: Weihnachtsmarkt Ljubljana von der Burg aus gefilmt.