Die große Schönheit – mit Obertönen zum Oscar | Vox Clamantis

Artikel aktualisiert am 20.08.2014

Die Musik zum Film „La Grande Bellezza“ (Die große Schönheit, 2013) von Paolo Sorrentino bedient sich u. a. der Obertongesang-Interpretation von Pérotins „Beata viscera“ des estnischen a cappella Ensembles Vox Clamantis. Beata viscera ist auf der CD Filia Sion enthalten.

Beata_viscera

Beata viscera ist ein Werk des französischen Komponisten Pérotin aus dem 12. Jh und gehört zur frühesten Mehrstimmigkeit in Europa.

Obertongesang verleiht der Komposition eine fast magische Stimmung. Natürlich ist Obertongesang nicht Bestandteil der Originalkomposition. Mir gefällt diese Modifikation ausgesprochen gut, besonders deshalb, weil die Obertöne sehr kontrolliert und musikalisch integriert werden. Sie bilden eine eigenständige Melodie und sind nicht, wie weit verbreitet, Zufallsprodukte, sondern ganz gezielt gesungen.

Beata viscera hatte übrigens früher schon einmal das Hilliard Ensemble zu einer Neuinterpretation mit dem Saxophonisten Jan Garbarek angeregt (auf der CD Officium).

Bildnachweis: Beata Viscera von Perotin (Wolfenbüttel Digital Library) [Public domain], via Wikimedia Commons.

 

 

8 Kommentare
  1. Bernhard Hanreich says:

    Habe dieses Stück heute erst entdeckt. Schon lange wollte ich auch eine derartige Interpretation wagen. Hatte allerdings bisher nicht den Mut dazu. Wunderschön. Kompliment. Kommt an meine Träume nahe heran.

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  2. Viola says:

    …ein Danke auch von mir für Deine Arbeit (war mal bei Dir im Serminar in Leipzig – ich erinnere mich gerne an Deine sanfte Achtsamkeit) und Deine Recherche. Ich „stifte an“ zum Singen seit Jahren und nutze selbst Obertöne, wenn ich singe. Auch im Chor üben wir und mein Traum ist es, bestimmte Gesänge ebenfalls mit Obertönen zu kombinieren, z.B. wieder in Halles Wassertürmen. Diese Aufnahme ist wie ein Klangbad…

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  3. Kerstin says:

    Wunderschön. Lausche und die Seele fliegt. Über Grenzen hinweg. Für einen Moment lang hält die Welt inne. Keine Kriege. Nur Frieden und diese wunderbaren Stimmen.
    Trotz Dur im Moll:) sollte diese Musik nicht nach 8Minuten aufhören, sondern ewig währen…
    Großes Dankeschön für das Auffinden dieser musikalischen Schätze, Dein akribisches Zusammentragen, die Recherche, die Hintergrundinfos – für diese gesamte arbeitsintensive Homepage.

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    • Wolfgang Saus says:

      Hallo Kerstin, sehr erfreulich, dass Du die 10. Harmonische im Moll bemerkt hast 🙂 Du hast gute Ohren!

      Auch Profis können eben noch dazu lernen. Eigentlich betrachte ich es ja als (bei guter Schulung vermeidbaren) Fehler, die 5. und 10. Harmonische im Moll-Kontext zu singen, aber in diesem Stück stört es mich nicht so sehr wie sonst, weil die Grundtöne dabei absolut sauber bleiben, was bei den meisten Obertonsängern, die diesen Fehler begehen, nicht der Fall ist.

    • Wolfgang Saus says:

      Obertongesang im Chor hat ein riesiges Potenzial. Die Chorsänger sind professionell, und der Obertongesang ist wunderschön integriert. Aber ihre Fähigkeiten als Obertonsänger sind noch recht begrenzt (Stichwort „Dur-Terz im Moll-Akkord, Insider wissen warum ich das nicht leiden kann…).

      Stell Dir vor, was Komponisten für Möglichkeiten haben, wenn die Chorsänger polyphonen Obertongesang beherrschen und dabei noch die Klangfarbe ändern. Wenn man Obertongesang studieren könnte wie ein Musikinstrument, käme man in eine neue Dimension von Chormusik. Das ist meine Vision und der Grund für diese Website.

    • Wolfgang Saus says:

      Danke, diego, ja, das sind Perlen! Es freut mich, dass es Dir gefällt. Ich habe das Gefühl, dass das erst der Anfang ist. Je mehr Sänger sich mit den Obertönen befassen, desto spannender werden die Kompositionen werden.

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