Das Daxophon von Hans Reichel

Wer erinnert sich nicht, als Kind ein Lineal am Tischrand gezupft und zum Klingen gebracht zu haben. Der deutsche Gitarrist, Improvisator, Komponist und Instrumentenerfinder Hans Reichel (1949-2011) aus Wuppertal hat dieses simple Prinzip auf ein professionelles Niveau gebracht.

Eine etwas 30 cm lange Holzzunge wird mit einem Cellobogen gestrichen. In einem Resonanzkästchen wird der Klang durch Kontaktmikrofone abgenommen. Das Daxophon ist ein Idiophon, ein Selbstklinger, und gleichzeitig ein Streichinstrument.

Eine entscheidenede Funktion übernimmt der Dax. Das ist ein handliches, rund geformtes Klötzchen, mit dem die Tonhöhe variiert wird. Auf einer Seite hat das Klötzchen Bünde, sodass damit Tonfolgen gespielt werden können, während die glatte Seite fließende Glissandi ermöglicht.

Was mich besonders fasziniert ist der stimmähnliche Klang, den das Daxophon erzeugt. Das kommt durch vokalartige Formanten, die entstehen, wenn der Dax die Schwingung in der Holzzunge an den Berührungspunkten blockiert.

Es kann nur ja sagen, nicht nein.

Hans Reichel bei einer Performance

Unten in den weiterführenden Links gibt es auf der Seite daxo.de (Flash) unter Downloads eine Bauanleitung.

Meine Kollegin Anna-Maria Hefele machte mich auf dieses charmante Instrumente aufmerksam.

Weiterführende Links

Du besitzt bereits Superkräft in Deinem Ohr, von denen Du nichts weisst. Steve Mould zeigt Dir in diesem Video, dass Du ohne zu üben hören kannst, ob Wasser kalt oder warm ist. Teste selbst.

Der Grund ist, dass Du bereits unterbewußt mit dem Geräusch einfließenden Wassers vertraut bist und die Information abgespeichert hast. Sie wird automatisch abgerufen, wenn Du den Vorgang nur hörst aber nicht siehst.

Heisses Wasser hat eine geringere Viskosität als kaltes. Das Blubbergeräusch in warmem Wasser ist aufgrund der geringeren Viskosität im Durchschnitt etwas höher. Unsere feinen Hörsensoren bekommen diesen Unterschied deutlich mit.

Mehr dazu findest Du hier:

http://www.sciencealert.com/your-ears-can-actually-tell-the-difference-between-hot-and-cold-running-water

https://www.thenakedscientists.com/articles/questions/why-does-hot-water-sound-different-cold-water-when-poured

Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko „singt“. Sein Lied ist für menschliche Ohren nicht wirklich hörbar, denn es handelt sich nicht um Schallwellen, sondern um Schwingungen des Magnetfelds im Bereich von 20-40 Millihertz. Die Schwingungen wurden in den hörbaren Bereich transponiert (ca. 15 Oktaven) und in Schallwellen umgewandelt, um sie hörbar zu machen.

Aber dann hört es sich nicht unähnlich an, wie mein „ingressive vocal fry“, den ich zur Demonstration von Formantfrequenzen verwende.

Mehr Information zum Rosettaprojekt, das heute erstmals in der Menschheitsgeschichte eine Sonde auf einem Kometen gelandet hat, findest du hier: http://rosetta.esa.int/

Thumbnail image credit: ESA/Rosetta/NAVCAM, CC BY-SA IGO 3.0 [CC-BY-SA-3.0-igo], via Wikimedia Commons

Spinnen stimmen ihr Netz wie eine Gitarre. NPR (US National Public Radio) hat diesen witzigen Clip zur Erläuterung einer wissenschaftlichen Publikation der englischen Oxford Silk Group veröffentlicht. Spinnen können am Schwingungsverhalten erkennen, ob sich Beute, Artgenossen oder sogar einen Fehler im Netz handelt. Sie spannen jede Saite ihres Netzes auf einen anderen Ton und können durch Triangulation blitzschnell die genaue Position der Beute erkennen:

 

Christopher Vila ist Erfinder und Hersteller dieses hinreißenden Musikinstruments, dass einen beim Spiel schnell mal in eine tiefe Selbstvergessenheit führt, von der man auch als Zuhörer noch etwas spürt: Cosmicbow.

Im Video demonstriert er eine unglaubliche Kontrolle des ersten und zweiten Formanten, indem er mit beiden eine unabhängige Melodie spielt. Den tieferen Oberton kontrolliert er mit dem vorderen Mundraum, die hohen Obertöne werden hingegen im Rachenraum hauptsächlich von der Position des Kehldeckels bestimmt.

Diese Kunstfertigkeit ist ein Beispiel dafür, wieviel Musik es allein in unseren vokalen Resonanzräumen noch zu entdecken gibt. Interessant ist der Zusammenhang mit Gesangsphonetik, bei der ebenfalls eine Kontrolle der Formanten gefordert ist, um die Brillianz und Tragfähigkeit der Stimme zu ermöglichen, die für klassischen Gesang erforderlich ist. Ich kann jedem klassischen Sänger empfehlen, sich mal ein Weile mit dem Cosmicbow zu beschäftigen.