„Freude schöner Götterfunken“, Obertongesang von Wolfgang Saus.

In diesem faszinierenden dynamischen MRT-Video sieht man, wie die Zunge mit Doppelresonanzen die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ bildet. Obertongesang basiert auf der Zusammenführung der zweiten und dritten Resonanzfrequenz des Mund-Rachen-Raums (auf „Formanten“ genannt) auf eine einzige Frequenz, um die Lautstärke eines einzelnen Obertons aus dem Stimmklang zu erhöhen. Der zweite Formant wird vom Zungengrund zusammen mit dem Kehldeckel kontrolliert. Der dritte Formant wird durch den Raum unter der Zunge reguliert, der größer ist als er im Video erscheint. Obertongesang ist die ständige Feinabstimmung der beiden Resonanzkammern.

Es ist nicht so einfach, in dem sehr lauten Tomographen Klang aufzunehmen (und zu singen). Das Team in Freiburg hat hoch spezialisiertes Equipment für Aufnahme und Filterung entwickelt. Trotzdem ist der Sound natürlich nicht HiFi.

MRT Filmmaterial mit freundlicher Genehmigung und großem Dank an:
Universitätsklinikum Freiburg
Klinik für Radiologie – Medizinphysik &
Institut für Musikermedizin

Prof. Dr. Bernhard Richter
Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig
Prof. Dr. Matthias Echternach
(c) 2015

Paul Jungeblodt zeigt in dieser anschaulichen Animation die Grundfunktionen des Kehlkopfs beim Singen.

  • Der Anpressdruck der Stimmbänder (true vocal folds) bestimmt die relative Lautstärke der Obertöne zum Grundton.
  • Die Taschenfalten (false vocal folds) tragen zur Regulierung des Luftstroms und zur Klangfarbe bei.
  • Die Stellknorpel schließen die Stimmbänder zur Phonation. Die Stellung des Kehlkopfs im Hals ändert die Klangfarbe von klassisch (tief gestellt) zu anderen Stielen (mittlere oder hohe Stellung).
  • Die Kontraktion der aryepiglottischen Falten mit Nährung des Kehldeckels an die Aryknorpel erzeut den im Musikalbereich verbreiteten Twang.
  • Der weiche Gaumen (soft palate, Velum palatinum) kann den Mundraum zum „ng“ verschließen, nasalen Klang erzeugen, indem Mund und Nasenraum offen bleiben, oder den Vollklang durch die Mundhöhle leiten, indem der Nasenraum verschl0ssen wird.

Meine Hörerfahrung sagt mir, dass nicht alle Klangbeispiele genau dem entsprechen, was im Video zu sehen ist. Beispielsweise sind bei der Verengung der Taschenfalten auch deutliche Anteile einer Konstriktion der aryepiglottischen Falten zu hören. Aber das Video will ja in erster Linie Sängern einen anatomischen Eindruck ihres Instrumentes geben. Und das gelingt der Anmiation ausgezeichnet.

Die gezeigten Kehlkopfteile sind für kaum jemanden wirklich bewußt spürbar. Ich erlebe dennoch in meinem Unterricht, dass solche Bilder für Schüler sehr wertvoll sind, weil sie unbewußt auf die beim Singen beteiligte Muskulatur positiv wirken.

Vielen Dank an Paul Jungeblodt für seine Arbeit. Man findet auf seiner Website noch weitere wertvolle Animation für Sänger: http://www.voicetrix.de