Khöömej – Kehlgesang

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Der asiatische Kehlgesang hat seit Ende der 90er Jahre den Obertongesang insgesamt bekannter gemacht. Er ist rund um das Altai-Gebirge beheimatet. Die meisten Obertonsänger finded man in Tuwa und im Nord-Westen der Mongolei. In den Nachbarländern findet man Varianten.

Khöömej (Хөөмей, tuvinisch = Kehle) ist der Oberbegriff für alle tuvinischen und mongolischen Stile des Obertongesangs. Er wird übersetzt mit “Kehlgesang” (engl. “throat singing”). In der Mongolei verwendet man den gleichen Begriff, obwohl Mongolisch mit Tuvinisch nicht verwandt ist. Transliterationen des kyrillischen “Хөөмей” sind auch Chöömej, Xöömej, Höömii, Khoomii. In Tuva wird der Begriff Khöömej mit zwei Bedeutungen verwendet: als Oberbegriff für das Genre Kehlgesang und für einen speziellen der sechs Stile.

Kehlgesang mit und ohne Obertongesang

Die Übersetzung des Begriffs Khöömej mit Kehlgesang führt gelegentlich zu Verwechslungen, weil das Wort Kehlgesang auch für andere Singtechniken gebraucht wird, die nicht zum Obertongesang zählen. Kehlgesang bezeichnet meist Gesangstechniken, die rauh und kehlig klingen oder den Kehlkopf verengen. In einigen Kulturen wird diese Technik mit Obertongesang verknüpft, wie beim Khöömej, in anderen nicht. Der Joik des Samen oder throat playing der Inuit werden zwar als Kehlgesang bezeichnet, sind aber kein Obertongesang.

Unterschied zu westlichem Obertongesang

Sven Grawunder (Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Department of Linguistics) hat in seiner Diplomarbeit 1999 (Martin-Luther-Universität Halle/Saale) umfassende Untersuchungen zu den Unterschieden von Kehl- und Obertongesang durchgeführt. Laryngoskopische und endoskopische Fotografien des Kehlkopfs während des Khöömej-Singens zeigen den wesentlichen Unterschied zu westlichem Obertongesang: Die Klangquelle im Kehlkopf wird anders verwendet, während die Obertonverstärkung im Mund- und Rachenraum sehr ähnlich funktioniert.

Bei “normalem” Singen bleiben die Stimmbänder im Laryngoskop sichtbar:

Normale Stellung des Kehlkopfs, geschlossene Glottis. Foto © Grawunder 1999.

Normale Stellung des Kehlkopfs mit offener Glottis. Foto © Grawunder 1999.

Der westliche Obertongesang verwendet sowohl diese normale Kehlstellung als auch fließende Übergänge zur speziellen Kehlstellung des Khöömej. Bei offener Kehle klingt der Grundton klar und laut im Gesamtklang mit. Die Trennung von Oberton und Grundton ist weniger stark ausgeprägt als beim Kehlgesang. Der Gesamtklang ist weicher und die Grundtonmelodie kommt beim polyphonen Obertongesang gleichwertig zur Geltung.

Je stärker der Kehlkopf verengt wird (s. u.) desto deutlicher trennt sich der Oberton vom Grundton, und um so lauter tritt der Oberton hervor. Der Gesamtklang wirkt gepresster. Beim Khöömej zeigt sich ein Phänomen, dass Grawunder “aryepiglottischer Sphinkter” nennt, eine Verengung im Kehlkopf oberhalb der Stimmlippen, ähnich wie beim Würgereflex. Ich vermute, dass die Kammer zwischen Stimmbändern und aryepiglottischem Sphinkter zu einer Bündelung des 3. und 4. Formanten führt. Das könnte anhand von Spektren noch untermauert werden. Es wäre eine Erklärung sowohl für die große Lautstärke als auch die extreme Tonhöhe (g#4) der hohen Obertonregister im Khöömej.

Kehlkopf ohne Verengung. Foto © Sven Grawunder 1999.

Aryknorpel bewegen sich zur Epiglottis. Foto © Sven Grawunder 1999.

Aryepiglottischer Sphinkter beim Khöömej. Foto © Sven Grawunder 1999.

Beim Würgen wird der Kehlkopf ganz verschlossen, während beim Khöömej eine kleine Öffnung bleibt, durch die der Klang hindurch kann. Dadurch wird der Grundton stark gedämpft, so dass er bei manchen Meistern des Sygyt kaum noch zu hören ist. Man hört praktisch nur noch seine Obertöne.

Zunehmende Verengung beim Würgen.

Weiter zunehmende Verengung beim Würgen.

Vollständiger Verschluss beim Würgen. Fotos © Sven Grawunder 1999.

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Bildquellen

Sven Grawunder mit freundlicher Genehmigung.

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