Obertongesangsstile

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Obertongesang umfasst alle Gesangstechniken, in denen Obertöne gezielt hervorgehoben werden. Die bekanntesten Stile sind der westliche Obertongesang und der zentralasiatische Kehlgesang. Aber es gibt nicht weniger spektakuläre Formen von Obertongesang in Afrika, Ozeanien und in Europa.

Es gibt natürlich keinen Gesang ohne Obertöne. Die Zuordnung zu Obertongesang ist eine Frage der Absicht des Musikers, Obertönen eine eigene musikalische Rolle zu geben. Übergänge von Sprache zu gezielten Obertönen können fließend sein (Chorphonetik). Laut einer Studie der Universität Heidelberg (Schneider, Sluming, Roberts, Scherg, Goebel, Specht, Dosch, Bleeck, Stippich, Rupp, 2005) hören Menschen die Obertöne sehr unterschiedlich, sodass nicht jeder sofort die Obertöne in der Musik erkennt.

Unterscheidung nach Klangcharakter

Obertonmelodien sind die auffallenste, aber nicht die einzige Form von Obertongesang. Obertöne können musikalisch eingesetzt werden, ohne dass Melodien entstehen: für Klangfarbeneffekte, Intonation, Resonanz und als Basis für Skalen. Beispiele sind tibetische Mönchsgesänge, Barbershop oder der sardische canto a tenore. Je schwächer sich die Obertöne vom Gesamtklang abheben, desto schwieriger wird die Zuordnung zu Obertongesang.

Kein Obertongesang

Der Vollständigkeit halber seien noch Gesangsstile erwähnt, die irrtümlich als Obertongesang bezeichnet werden. Darunter fallen Gesangtechniken, die Kehlgesang (engl. throat singing) genannt werden. Kehlgesang wird musikethnologisch, vor allem in älterer Literatur, für kehlige, raue Gesänge und Gesang mit Kehlkopfverengung verwendet und hat primär nichts mit Obertongesang zu tun. Erst seit den 90er Jahren wird Kehlgesang (als Übersetzung von Khöömej) synonym für zentralasiatischen Obertongesang verwendet. Man muss also aufpassen, welche Art Kehlgesang gemeint ist, besonders wenn man aus dem Englischen throat singing übersetzt. Und beim Lesen jüngerer Literatur sollte man darauf achten, ob der Autor sorgfältig recherchiert hat.

Literatur & Quellen

1.
Schneider P, Sluming V, Roberts N, Scherg M, Goebel R, Specht HJ, et al. Structural and functional asymmetry of lateral Heschl’s gyrus reflects pitch perception preference. Nat Neurosci [Internet]. 2005 [cited 2009 Feb 26];8(9):1241–7. Available from: http://dx.doi.org/10.1038/nn1530
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