Was sind Obertöne?
Obertöne
sind ein natürliches Schwingungsphänomen. Bei jeder Schwingung entstehen zusätzlich zur Grundfrequenz schnellere Schwingungen, die sich ihr überlagern. Das ist ein universelles Verhalten der Natur, egal, ob es sich dabei um einen Schall oder eine andere Schwingung handelt.
Durch Obertöne wird aus dem Schall ein Klang - mit einer Tonhöhe und einer Klangfarbe. Der persönliche Klang einer Stimme kommt durch eine typische Verteilung der Lautstärke ihrer Obertöne zustande. Die
Lautstärkeverteilung der Obertöne codiert unzählige Informationen, von den Vokalen der Sprache bis hin zur Identifizierung einer Person und sogar deren physisches und psychisches Befinden.
Mithilfe von Klangspektren und Spektrogrammen kann man den Zusammenhang visualisieren. Es gibt einige Klanganalyseprogramme auf dem Markt, die mittels sog. Fourrier-Analyse den Klang in seine Bestandteile zerlegen und optisch
darstellen. Der von Bodo Maass und mir entwickelte “Overtone Analyzer” ( www.sygyt.com) ist für die Darstellung von Musik und Obertönen optimiert worden. Das Bilder zeigen, dass ein einzelner Sington aus einer Vielzahl von Einzeltönen besteht.
Das Klangspektrum (Frequenzspektrum) ist eine Möglichkeit, den Klang optisch darzustellen. Das Spektrum zeigt die Lautstärkeverteilung der Obertöne beim
gesungenen Vokal ä. Jede Spitze entspricht einem Oberton, je weiter rechts die Spitze, desto lauter ist der Oberton. Ganz unten ist der Grundton. Nach oben erhöht sich die
Frequenz, also die Tonhöhe, nach rechts die Lautstärke. (Aufgenommen mit Overtone Analyzer).
Das Spektrogramm (auch Sonagramm genannt) ist eine weitere Darstellungsform für Klänge. Die Lautstärke wird hier in Farben gezeigt, im Beispiel je roter, desto lauter. Jede
Querlinie entspricht einem Oberton. Ganz unten ist der Grundton. Nach oben erhöht sich die Frequenz, also die Tonhöhe, von links nach rechts läuft die Zeit. (Aufgenommen mit Overtone Analyzer).
Normalerweise fasst unser Gehirn ein Bündel zusammenhängender Obertöne zu einem einzigen Klang zusammen und ordnet sie einer Schallquelle zu. Der Grundton wird als Tonhöhe, die Obertöne als Klangfarbe wahrgenommen. Wird
aber ein einzelner Oberton relativ zu den direkt darunterliegenden wesentlich lauter, dann nimmt unser Gehirn ihn plötzlich als separaten Ton wahr. So entsteht aus Gesang Obertongesang. Die Schwelle für die getrennte
Wahrnehmung ist dabei nicht nur eine Funktion des Lautstärkeunterschieds sondern auch des Hörtrainings. Das Hören von Obertönen kann man also üben. Untersuchungen an der Universität Heidelberg (Schneider 2004) zeigten, dass
die Fähigkeit, Obertöne in einem Klang wahrzunehmen mit der Größe bestimmter Gehirnabschnitte zusammenhängt. Sogenannte Obertonhörer haben einen erweiterten rechten, Grundtonhörer einen erweiterten linken Gehörkortex.
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