Aktualisiert 05.04.2008

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Obertongesang

 

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Komponieren mit Obertönen

Die Obertonreihe ist eine Folge von Intervallen, die unabhängig vom Grundton immer dieselbe ist. Die Intervallfolge ergibt sich aus ganzahligen Vielfachen der Grundfrequenz. Ein Tonklang besteht immer aus einem Akkord dieser Obertonintervalle. Die relative Lautstärke der Obertöne im Akkord bestimmt wesentlich die Klangfarbe des Tons [1]. Wird ein einzelner Oberton lauter als seine unmittelbaren tieferen Nachbarn, dann wird der Klang als Mehrstimmigkeit wahrgenommen. Diesen Effekt nutzt man für das Obertonsingen.

Kompositionen für Obertongesang sind an die harmonische Obertonreihe gebunden. Aber der Sington des Sängers kann innerhalb seiner Stimmlage frei variiert werden, wodurch sich viele Freiheiten ergeben. Denn die Obertonreihe wandert immer parallel zum Grundton. Allerdings kann nur ein Ausschnitt aus der Obertonreihe musikalisch genutzt werden.

Welche Obertöne stehen musikalisch zur Verfügung?

Physiologisch bedingt können wir im Vokaltrakt nur Obertöne zwischen ca. 350 und 3000 Hz so verstärken, dass sie als Einzeltöne hervortreten. Das entspricht einem

Tonumfang ca. f’ bis f’’’’

Hosoo, ein mongolischer Khöömej-Meister, singt bis g#’’’’, die meisten Obertonsänger haben ihre Obergrenze bei d’’’’. Diese Grenze ist unabhängig vom Ton, der gesungen wird und auch unabhängig davon, ob eine Frauen- oder Männerstimme singt.

Die Begrenzung nach oben hat zwei Gründe:

  1. Höhere Obertöne kann man kaum noch gezielt verstärken, weil die Resonanzkammern im Mundraum zu klein, und die Töne entsprechend leise werden. Durch erhöhte Spannung der Stimmlippen kann der Primärklang mit hohen Obertönen angereichert werden, aber die Grenze liegt bei ca. 3000 Hz (die höchsten Obertöne habe ich von Hosoo und von Steve Sklar gehört, die gelegentlich 3500 Hz erreichten).
     
  2. Wenn man oberhalb des 16. Obertons singt, dessen Frequenz vom Grundton abhängt (vgl. Tabelle), dann gibt es eine zweite Begrenzung. Es wird dann schwieriger, die eng beeinander liegenden Obertöne voneinander zu trennen, also einen Oberton sauber herauszufiltern, weil die Feinmotorik der Zunge begrenzt ist und die gebildeten Resonanzräume immer eine gewisse Frequenzweite haben. Experten singen gezielt bis etwa zum 23. Oberton, der Quinte in der 5. Oktave. Dazu bedarf es eines Grundtons von weniger als 125 Hz (großes H), was im allegemeinen nur einer Männerstimme oder einer Frau mit speziellen Untertontechniken möglich ist.

Frau und Mann - der kleine Unterschied

Da der Vokaltrakt, also der Resonanzraum, bei Mann und Frau gleich ist, die Stimmen aber unterschiedliche Höhe haben, stehen hohen Stimmen weniger Obertöne zur Verfügung (vgl. in der Tabelle die hell unterlegte Frequenzen) als tiefen. Mann und Frau können die Obertöne zwischen f’ bis f’’’’ singen, aber dazwischen liegen unterschiedlich viele Intervalle.

Während ein Sopran auf c’ (261,6 HZ) die Obertöne der 2. bis 4. Obertonoktave, also die Harmonischen 2 bis 10 singen kann, stehen einem Tenor der c (130,8 Hz) singt, die Obertonoktaven 2 bis 5 mit den Harmonischen 3 bis 20 zur Verfügung. Bei beiden ist aber der Tonumfang der Obertöne in etwa der gleiche, nämlich ca. c`` bis e’’’’. Nur kann der Tenor darin dichtere Obertöne singen, als der Sopran, hat also mehr Melodiemöglichkeiten.

 

Weitere Themen

- Werke für Obertongesang

 

Tabelle: Obertonreihe mit Beispielfrequenzen für Stimmen
Die Tabelle zeigt die Frequenzen der Obertöne für die Beispiel-Grundtöne C, A, c, c’ und deren Zusammenhang mit der Obertonreihe. Die hell unterlegten Obertöne sind die musikalisch verwendbaren, die gelb markierten Töne sind die meist verwendeten. Ein + oder - zeigt die Abweichungen von der temperierten Stimmung an.

Obertonreihe mit Beispielfrequenzen für Stimmen

[1] Wer sich für exakte physikalische Hintergründe des Stimmklangs interessiert, dem sei die Website des von mir hochgeschätzten Stimmforschers Dr. Heinz Stolze empfohlen.


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